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Humor, Haltung und neue Perspektiven

Zwölf Produktionen konkurrieren um die mit insgesamt 35.000 Euro dotierten Hamburg Producers Awards »Deutsche Fernsehfilme« und »Deutsche Serien«. Zwischen Comedy, Mystery, Thriller und Drama setzt die diesjährige Auswahl auf Genrevielfalt und neue Regiestimmen.  

 

Die Wettbewerbsbeiträge der Sektion »Televisionen« erzählen von der Bewältigung von Lebenskrisen und vom Mut zu radikalen Veränderungen. Wie lassen sich Lösungen in einer immer komplexer werdenden Welt finden? Die ausgewählten Filme finden darauf unterschiedliche Antworten: mit schwarzem Humor, viel Spannung und in Genres vom Mystery-Thriller und der Tragikomödie über Gesellschaftsdrama, Young-Adult und Impro-Drama bis hin zur Krimi-Comedy.

 

Bettina Schoeller Bouju, Leiterin der Sektion »Televisionen«: » Das diesjährige Programm zeigt, wie unterschiedlich Fernsehen gesellschaftliche Themen aufgreifen kann: mal ernst und spannend, mal leicht und überraschend. Gerade Humor kann dabei eine Form von Resilienz sein, ohne die Realität auszublenden. Neben etablierten Formaten wie Nachtschicht und TATORT gibt es mit Projekten wie der Instant-Fiction-Serie BALLZ oder der Young-Adult-Miniserie 3 Minuten auch viel Lust am Experimentieren. Außerdem freue ich mich auf Caren Wuhrer und Friedrich Tiedtke, die mit ihren ersten Langfilmen im Wettbewerb vertreten sind. LORD und Erinner mich an morgen sind im Rahmen des Talentförderprogramms »Nordlichter« entstanden.«

 

Sechs Fernsehfilme gehen ins Rennen um den mit 25.000 Euro dotierten Hamburg Producers Award »Deutsche Fernsehfilme«, gestiftet von der VFF Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten mbH. Für den mit 10.000 Euro dotierten Hamburg Producers Award »Deutsche Serien« der VFF sind ebenfalls sechs Produktionen nominiert. Ausgezeichnet werden die jeweiligen Produzent*innen. Eröffnet wird die TV-Sektion in diesem Jahr mit Lars Beckers Nachtschicht – Sterben verboten, der im Wettbewerb läuft.

 

Außer Konkurrenz und als Geschenk an alle Großstadtrevier-Fans in Hamburg wird am 3. Oktober das 90-minütige Special Knockout am Tag des freien Eintritts auf der großen Leinwand gezeigt.

 

Wettbewerb Fernsehfilme 

 

Ein Killer mit Rechts-Links-Schwäche, ein toter Auftraggeber und eine lange Nacht auf St. Pauli: Mit Nachtschicht – Sterben verboten setzt Lars Becker seine Hamburger Gangster-Kultreihe fort und zeichnet erneut für Regie und Drehbuch verantwortlich. Die Network-Movie-Produktion für das ZDF entstand unter der Federführung von Bettina Wente und Wolfgang Cimera.

 

Familienfeier mit reichlich Konfliktpotenzial: In Die dritte Hochzeit von Regisseurin Mirjam Unger heiratet die über 70-jährige Unternehmerin Ingeborg Caspari zum dritten Mal, und zwar einen deutlich jüngeren Mann. Das Drehbuch der mit Iris Berben, Axel Milberg, Lucas Gregorowicz, Max Simonischek, Kostja Ullmann, Henriette Confurius und Murathan Muslu hochkarätig besetzen Tragikomödie stammt von Martin Rauhaus. Produziert wurde der Film von Benjamin Benedict (Wiedemann & Berg für ZDF).

Kann sich ein Verbrechen in der Mimik verraten? Lynn Oona Baur inszeniert mit Frau ohne Namen nach einem Drehbuch von Anne-M. Keßel und einer gemeinsamen Idee mit Lynda Bartnik und Marleen Lohse einen psychologischen Thriller um eine auf Mikroexpressionen spezialisierte Psychologin (Marleen Lohse), die hinter einem vermeintlich eindeutigen Fall von Notwehr weit mehr vermutet. Produzent ist Joshua Lantow (triple pictures für NDR).

 

Am Hamburger Stadtrand prallen zwei Unsichtbare aufeinander. Als die perspektivlose Lord (17) der lebensmüden Betty (78) das Leben bewahrt, öffnet sich für beide eine unerwartete Tür. Zwischen Misstrauen und Nähe entsteht ein leises Bündnis gegen Unsichtbarkeit, Armut und Resignation. LORD erzählt über (Un-)Würde im Prekären und von zwei weiblich gelesenen Personen, die in gegenseitiger Solidarität Halt und Perspektive finden. Caren Wuhrer schrieb das Drehbuch und führt Regie bei dem im Rahmen des Talentförderprogramms »Nordlichter« entstandenen Drama, produziert von Markus Mayr (MÄKSMY Films für NDR).

 

In der Tatort-Doppelfolge Unter Freunden ermitteln Mila Şahin (Almila Bagriacik) und ihre neue Kollegin Anna Nowak (Lilith Stangenberg) im Fall der toten Buchhalterin Francesca Polidoro. Die Spur führt zum Hightech-Unternehmen Prometheus und in ein Netzwerk aus Korruption, Geldwäsche und organisierter Kriminalität. Unterstützung erhält Mila von Polizeipsychologin Elli Krieger (Karoline Schuch). Lars Kraume führt Regie und schrieb das Drehbuch zusammen mit Rudi Gaul und Katharina Adler. Produzentinnen sind Wiebke Andresen, Sabine Timmermann und Kerstin Ramcke (Nordfilm für den NDR).

 

Mit Erinner mich an morgen erzählt Friedrich Tiedtke von einer Altenpflegerin, gespielt von Stefanie Reinsperger, die auf einer Demenzstation mit fantasievollen Rollenspielen Erinnerungen weckt und dabei zunehmend selbst die Kontrolle verliert. Das Drehbuch schrieb Tiedtke gemeinsam mit Manuel Ostwald, Ida Åkerstrøm Knudsen und Stefanie Reinsperger. Der »Nordlichter«-Film für den NDR wurde von Andrea Schütte und Dirk Decker (Tamtam Film) produziert.

 

Wettbewerb Serien 

 

Drei Minuten zum Ruhm: Die von Mark Monheim und Mahnas Sarwari inszenierte Young-Adult-Serie 3 Minuten erzählt von drei Jugendlichen, die über eine Livestream-App von Erfolg, viel Geld und einem besseren Leben träumen und erfahren, wie hoch der Preis für Aufmerksamkeit sein kann. Die Drehbücher stammen von Silvia Overath und Anika Soisson nach Vorlagen von Marina Cardozo, Peter Furrer und Tankred Lerch und einem Konzept von Lukas Lankisch. Produzenten sind Lukas Lankisch (Veam) und Felix Zackor (nuworx productions).

 

Wann ist ein Mann ein Mann? In der Instant-Fiction-Serie BALLZ inszeniert Benjamin Teske eine radikale Comedy über Männlichkeit, Angst und Ehrlichkeit. »Der hat Eier«, ein Spruch, der auf Fitnesstrainer Julian (Maximilian Mundt) bislang ziemlich gut zu passen scheint. Doch eine Hodenkrebsdiagnose bringt sein Selbstbild gehörig ins Wanken. Die Drehbücher schrieben Thandi Sebe und Toby Arsalan. Hinter der Produktion von ZIEGLER FILM für das ZDF stehen die Produzentinnen Tara Biere und Tanja Ziegler.

Ein Jahr vor dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz stoßen Ermittler bereits auf Anis Amri. David Nawrath zeichnet in Breitscheidplatz 19/12 ein detailliertes Bild von Radikalisierung, institutionellen blinden Flecken und behördlichem Versagen. Gemeinsam mit David Marian schrieb Nawrath auch die Drehbücher. Produziert wurde die Serie von Simon Amberger, Korbinian Dufter und Rafael Parente (NEUESUPER in Kooperation mit ARD Degeto Film, NDR, hr und rbb für die ARD).

 

Was, wenn die schlimmstmögliche Version des eigenen Ichs plötzlich das eigene Leben übernehmen will? Lea Becker inszeniert mit Die Düsteren eine Mystery-Thriller-Serie über unheimliche Doppelgänger auf einer Nordseeinsel. Die Drehbücher stammen von Arne Nolting und Jan Martin Scharf. Produzenten sind Andi Wecker, Tobias Ketelhut, Bernd von Fehrn und Lasse Scharpen (Network Movie und Studio Zentral für ZDF).

 

Wenn Die Friesenjunkies schon untergehen, dann mit Stil. In einer privaten Suchtklinik auf Sylt stranden Menschen, denen auch ihr Geld nicht mehr helfen kann. In ihrer Impro-Dramedy-Serie erzählen Emil und Oskar Belton mit viel Humor und Drama Geschichten über Sucht, Selbsttäuschung und Neuanfänge. Das Brüderpaar verantwortet gemeinsam Regie, Drehbuch und Produktion und holt unter anderem Marie-Lou Sellem, Peter Kurth, Martin Brambach, David Schütter, Pheline Roggan, Stephan Luca, Nicole Heesters und Katy Karrenbauer vor die Kamera. (Kleine Brüder für die ARD).

 

Dienst nach Vorschrift war gestern: Was passiert, wenn Beamte zwar ihren Habitus behalten, aber die Arbeit an sich verschwindet? Die Impro-Mockumentary Nine to Five – Das Amt von Regisseur Leonard Fuchs beobachtet den deutschen Büroalltag zwischen Formularen, Kaffeeküche und Karriereambitionen. Die Handlungsrahmen stammen von Momo Sinner, Ellen Holthaus, Miriam Suad Bühler und Timon Karl Kaleyta. Produziert wurde die Serie von Tina Ermuth und Carsten Kelber (Pyjama Pictures für ZDFneo).

 

Großstadtrevier-Special außer Konkurrenz 

 

Am Tag des freien Eintritts bringt FilmFest Hamburg das Großstadtrevier auf die große Leinwand: Der dritte 90-Minüter der beliebten Vorabendserie, Knockout, läuft am 3. Oktober außer Konkurrenz und lädt das Hamburger Publikum ein, seine vertrauten TV-Held*innen gemeinsam im Kino zu feiern. Im Mittelpunkt des Specials unter der Regie von Kirsten Laser und nach einem Drehbuch von Andreas Kaufmann steht diesmal Revierleiterin Frau Küppers (Saskia Fischer), die nach einem schweren Verkehrsunfall selbst ins Visier der Ermittlungen gerät.

Die Sektion »Televisionen« wird von der Deutschen Fernsehlotterie präsentiert.

 

FilmFest Hamburg findet vom 24. September bis 3. Oktober 2026 statt. Gezeigt werden über 120 Produktionen aus aller Welt als Welt-, Europa-, Deutschland- oder Hamburg-Premieren. Festivalkinos sind das Abaton, CinemaxX Dammtor, Metropolis, Passage und das Studio Kino. Am 3. Oktober feiert FilmFest Hamburg den »Tag des freien Eintritts«: Alle FilmFest-Filme, die an diesem Tag in den fünf Festivalkinos und in den teilnehmenden »FilmFest ums Eck«-Kinos laufen, sind kostenfrei.