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Im Blick der anderen

Mit Lukas Dhont und Małgorzata Szumowska stellt FilmFest Hamburg in diesem Jahr zwei prägende Stimmen des europäischen Kinos als Filmmaker in Focus vor. So unterschiedlich ihre filmischen Handschriften sind, verbindet sie ein genauer Blick auf Menschen im Spannungsfeld von Identität, gesellschaftlichen Erwartungen und persönlichen Beziehungen. In Hamburg sind beide mit ihren aktuellen Filmen und ausgewählten früheren Arbeiten zu Gast und geben in Werkgesprächen Einblicke in ihr Schaffen. 

 

Lukas Dhont  

 

Der belgische Regisseur Lukas Dhont studierte audiovisuelle Künste und wollte ursprünglich Tänzer werden. Seine Faszination für Choreografie und Bewegung ist seinen Filmen bis heute eingeschrieben. Mit großer Sensibilität erforscht er Körper, Nähe und Verletzlichkeit und fragt danach, wie gesellschaftliche Vorstellungen von Geschlecht und Männlichkeit persönliche Beziehungen prägen.

 

In seinem aktuellen Film Coward führt Dhont von den Schützengräben des Ersten Weltkriegs in eine von Soldaten improvisierte Travestieshow. Der junge Pierre trifft an der Front auf den flamboyanten Francis; gemeinsam schaffen sie mit ihren Kameraden einen kurzen Freiraum von Krieg und Gewalt. Die Hauptdarsteller Emmanuel Macchia und Valentin Campagne wurden in Cannes mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet und werden zur Deutschlandpremiere in Hamburg erwartet. MUBI Deutschland bringt den Film ins Kino.

 

Close (2022) erzählt von der intensiven Freundschaft der 13-jährigen Léo und Rémi, deren selbstverständliche Nähe durch die Reaktionen ihres Umfelds unter Druck gerät. Mit großer Sensibilität erzählt Dhont von Freundschaft, Verlust und den Erwartungen an männliche Identität. Das Drama wurde 2022 in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet.

 

Bereits mit seinem Langfilmdebüt Girl konnte sich Dhont 2018 international einen Namen machen. Die 15-jährige Lara kämpft darum, professionell Ballett zu tanzen und körperlich zu der Frau zu werden, als die sie sich schon immer gefühlt hat. Dhont erzählt ihre Identitätssuche als ebenso körperliche wie emotionale Grenzerfahrung; der Film wurde in Cannes mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit der Caméra d’Or in der Sektion Un Certain Regard.

 

Das Werkgespräch mit Lukas Dhont findet am 30. September um 18 Uhr im Metropolis Kino statt. Der Eintritt ist frei. 

 

Małgorzata Szumowska 

Die in Krakau geborene Małgorzata Szumowska studierte an der Filmhochschule in Łódź und zählt seit ihrem Spielfilmdebüt Happy Man (2000) zu den international erfolgreichsten polnischen Regisseur*innen. In ihren Filmen beschäftigt sie sich immer wieder mit Körper, Identität und gesellschaftlichen Konventionen und verbindet dabei psychologische Genauigkeit mit schwarzem Humor und Groteske.

 

Mit The Idiot(s) eröffnen Szumowska und ihr langjähriger künstlerischer Partner Michał Englert die 34. Ausgabe von FilmFest Hamburg. In ihrer Adaption der Biografie »The Gambler Wife« nehmen sie den Mythos des männlichen Genies lustvoll auseinander: Während Fjodor Dostojewski in einem deutschen Kurort Geld verspielt und mit seinem Schreiben hadert, hält seine Frau Anna das gemeinsame Leben zusammen und treibt die Arbeit an »Der Idiot« voran. Zur Europapremiere und Festivaleröffnung am 24. September werden neben Szumowska und Englert auch Aimee Lou Wood, Vicky Krieps und Christian Friedel erwartet.

 

In Die Maske (2018) wird Jacek nach einem schweren Arbeitsunfall und der ersten Gesichtstransplantation Polens vom Außenseiter zum gefeierten Nationalhelden. Vor dem Hintergrund einer gigantischen Jesusstatue entwirft Szumowska eine bitterböse Satire auf Bigotterie, Konsum und eine sensationshungrige Öffentlichkeit. Der Film gewann 2018 bei der Berlinale den Silbernen Bären – Großer Preis der Jury.

 

Body (2015) verbindet schwarze Komödie mit einer Geschichte über Trauer und Verlust: Ein Untersuchungsrichter, seine magersüchtige Tochter und eine Psychologin, die mit den Toten zu kommunizieren glaubt, suchen auf sehr unterschiedliche Weise nach einem Umgang mit dem Tod. Für den Film erhielt Szumowska 2015 den Silbernen Bären für die beste Regie.

 

Das Werkgespräch mit Małgorzata Szumowska in Kooperation mit FRAMING, der neuen filmkritischen Plattform mit Newsletter und Podcast, findet am 25. September um 18 Uhr im Metropolis Kino statt. Der Eintritt ist frei.  

 

Über Filmmaker in Focus 

 

Das 2019 eingeführte Format Filmmaker in Focus widmet sich jedes Jahr zwei markanten Stimmen des internationalen Kinos und verbindet aktuelle Filme mit ausgewählten früheren Arbeiten und ausführlichen Werkgesprächen. Zu den bisherigen Gästen zählen Céline Sciamma und Lav Diaz (2019), Kelly Reichardt und Pablo Larraín (2020), Andrea Arnold und Sean Baker (2021), Ruth Mader und Santiago Mitre (2022), Alice Rohrwacher und Bertrand Bonello (2023), Pia Marais und Joshua Oppenheimer (2024) sowie Julia Ducournau und Kleber Mendonça Filho (2025).

 

FilmFest Hamburg findet vom 24. September bis 3. Oktober 2026 statt. Gezeigt werden über 120 Produktionen aus aller Welt als Welt-, Europa-, Deutschland- oder Hamburg-Premieren. Festivalkinos sind das Abaton, CinemaxX Dammtor, Metropolis, Passage und das Studio Kino. Am 3. Oktober feiert FilmFest Hamburg den »Tag des freien Eintritts«: Alle FilmFest-Filme, die an diesem Tag in den fünf Festivalkinos und in den teilnehmenden »FilmFest ums Eck«-Kinos laufen, sind kostenfrei