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Filme für Kopf und Herz

Seit 2013 zeichnet die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) bei FilmFest Hamburg gesellschaftlich engagiertes Kino aus. Im Interview erzählt Stine Klapper, Leiterin des FES-Regionalbüros für Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein, warum Festivals dafür wichtige Resonanzräume sind und was Filme bewirken können, wenn sie Kopf und Herz gleichermaßen erreichen.

 

FilmFest Hamburg: Seit 2013 wird bei FILMFEST HAMBURG der Preis »Der politische Film der Friedrich-Ebert-Stiftung« vergeben. Was macht ein Festival zu einem besonderen Resonanzraum für gesellschaftlich engagiertes Kino?

 

Stine Klapper: Ein Festival schafft immer eine ganz besondere Atmosphäre. Diskussionen werden über Tage hinweg geführt, das Gespräch nach dem Film ist nicht Ausnahme, sondern die Regel. Das filmbegeisterte Festivalpublikum kommt auch, um sich überraschen zu lassen und sich auf neue Themen einzulassen. In Bezug auf das politische Kino sind das sehr gute Voraussetzungen! Die Auseinandersetzung mit den Filmen und ihren Themen spielt eine große Rolle und wir erleben in der Veto!-Sektion sehr engagierte Gespräche zwischen Publikum und Regisseur*innen oder Expert*innen, die wir gezielt und passend zu den Themen einladen. Damit hinterlassen nicht nur die Beiträge oft Eindruck bei den Festivalgästen, sondern auch das Festival selbst zeigt Haltung, indem es zum politischen Debattenraum wird. Deshalb ist die Kooperation mit FilmFest Hamburg für uns als politische Stiftung so sinnvoll und wertvoll.

 

FilmFest Hamburg: Filme können Missstände sichtbar machen, Widersprüche formulieren und neue Perspektiven eröffnen. Was kann Kino anstoßen, das über die reine Unterhaltung hinausgeht?

 

Stine Klapper: Wir sind der Überzeugung, dass kaum etwas so gut in ein Thema einführen, Debatten anstoßen und im positiven Sinne provozieren kann wie politisches Kino. Und ganz wichtig dabei: Es ist eine gemeinsame, gemeinschaftliche Erfahrung. Ein guter politischer Film wirft uns direkt hinein in eine Diskussion, stellt Fragen und gibt manchmal auch Antworten. Wir alle kennen dieses Gefühl, nach einem Film unbedingt darüber sprechen zu wollen oder im ersten Moment auch gar nichts sagen zu können. Diese Reaktionen sind ungemein wichtig, damit wir notwendige gesellschaftspolitische Debatten führen können, und zwar mit allen. Denn auch das macht gute politische Filme aus: Sie sind auf ihre Art verständlich und damit inklusiv. Dabei gehen Unterhaltung und gesellschaftspolitischer Anspruch oft Hand in Hand: Filme sind in gewisser Weise demokratischer als zum Beispiel Fachtexte, da sie auch die emotionale Ebene ansprechen: Menschen wollen Sachverhalte nicht nur wissen, Argumente nicht nur hören, sondern auch fühlen und begreifen. Unsere letztjährige Preisträgerin Lana Daher schafft es zum Beispiel uns mit ihrem Film Do You Love Me, nach Beirut zu transportieren und uns die Folgen von Bürgerkrieg und immer wiederkehrenden Konflikten für eine Gesellschaft erkennen zu lassen – und zwar mit Kopf und Herz. Gerade die internationalen Beiträge fördern damit auch Empathie und Verständnis. Wir glauben, das ist aktuell gerade enorm wichtig.

 

FilmFest Hamburg: Wenn Sie auf die bisher ausgezeichneten Filme zurückblicken: Was verbindet diese Arbeiten in ihrer Haltung, ihrer filmischen Sprache oder ihrem Blick auf gesellschaftliche Konflikte?

 

Stine Klapper: Wir haben in den vergangenen Jahren Regisseur*innen für sehr unterschiedliche Arbeiten ausgezeichnet. Alle verbindet, dass sie sowohl politischen als auch künstlerischen Anspruch zusammenbringen. Alle haben eine sehr starke Aussage, haben unsere Jurys aber auch filmisch überzeugt. Dabei sind sie ganz unterschiedlich. So haben wir sowohl Dokumentar- als auch Spielfilme ausgezeichnet und setzen damit ganz bewusst filmisch-stilistisch auf Vielfalt. Denn die Umsetzung kann auf so viele unterschiedliche Weisen beeindrucken. Auch inhaltlich nehmen sie sehr unterschiedliche Dinge in den Blick, doch sehen wir ein zugrunde liegendes Thema, das alle bewegt: Gerechtigkeit. Es sind Filme, die Missstände darstellen, aber auch aufzeigen, wie sich Menschen einsetzen. Damit sind  sie auch eine Aufforderung, etwas zu tun und gemeinsam Dinge zu verändern. Eben Filme mit Ausrufezeichen!