
»Große Freiheit« mit zwölf Filmen aus Deutschland
Weltpremieren, neue Regiestimmen und prominente Namen
3. September 2026
FilmFest Hamburg präsentiert in der Sektion »Große Freiheit« in diesem Jahr zwölf Filme aus dem aktuellen deutschen Kino. Junge Talente sind mit ihren neuesten Arbeiten ebenso vertreten wie etablierte Regisseur*innen, darunter Fatih Akin, Wim Wenders, Frauke Finsterwalder und Ann Oren. Mit DIE ANDERE SEITE, Biermann, Der große Zusammenbruch, Kinder der Sonne und Lügen über meine Mutter feiern fünf Produktionen ihre Weltpremiere in Hamburg.
Die ausgewählten Filme zeigen die große Bandbreite des aktuellen deutschen Kinos. Sie bewegen sich zwischen Drama, Komödie und Dokumentarfilm, zwischen intimen Geschichten und gesellschaftlichen Perspektiven. Dabei geht es um Herkunft und Zugehörigkeit, Familie und Freundschaft, Verlust und Neuanfang und um eine Gegenwart, in der Gewissheiten ins Wanken geraten und neue Lebensentwürfe entstehen.
»Der Name ›Große Freiheit‹ steht für ein Kino, das sich etwas traut und seinen eigenen Formen und Erzählweisen folgt. Das deutsche Kino ist in diesem Jahr so vielfältig, eigenwillig und überraschend wie lange nicht und genau das wollten wir mit unserer Auswahl sichtbar machen. Da sind neue Regiestimmen und sehr persönliche Handschriften ebenso wie etablierte Filmemacher*innen, die immer wieder neue Wege gehen. Viele der Geschichten handeln von Menschen, die ihren Platz suchen, Grenzen verschieben oder ihr Leben neu denken müssen, und genau darin liegt eine große erzählerische Kraft«, sagt Kathrin Kohlstedde, Programmleiterin von FilmFest Hamburg.
Zwölf Filme aus Deutschland
Mariko Minoguchis DIE ANDERE SEITE zeigt Nina Hoss als Ärztin, die nach einer ansteckenden Krankheit aus der Gesellschaft ausgeschlossen wird und sich in die Einsamkeit der Berge zurückzieht. Die Begegnung mit einer jungen Frau durchbricht ihre Isolation und führt beide auf eine gefährliche Reise über die Alpen. Regie und Drehbuch stammen von Minoguchi. Der Film feiert Weltpremiere in Hamburg und wird am 22. Oktober von X-Verleih in die Kinos gebracht.
Der Dokumentarfilm Biermann von Jens Meurer porträtiert den Musiker und politischen Künstler Wolf Biermann und verbindet dessen Biografie mit mehr als sechs Jahrzehnten deutsch-deutscher Geschichte. Die Kamera begleitet den 90-Jährigen bei der Begegnung mit jungen Künstler*innen, Politiker*innen sowie seiner Familie und verwebt dieses Material mit ikonischen, teils unveröffentlichten Archivaufnahmen. Das Drehbuch entstand in Zusammenarbeit mit Dirk Kämper und Pamela Biermann. Nach seiner Weltpremiere bei FilmFest Hamburg kommt der Film am 29. Oktober 2026 im Verleih von Majestic in die deutschen Kinos.
Mit Camouflage legt der ukrainische Regisseur Mykyta Gibalenko ein vielschichtiges Debüt über Migration, Zugehörigkeit und Identität vor. Ein junger Ukrainer kommt zum Studium nach München und findet sich mit dem russischen Angriff auf sein Heimatland plötzlich zwischen politischen und familiären Realitäten wieder. Gibalenko entwickelte das Drehbuch zusammen mit Sharyhan Osman.
Mit ihrer neuen Regiearbeit Eurotrash begibt sich Frauke Finsterwalder in die Abgründe unserer Existenz und beleuchtet auf äußerst unterhaltsame Weise ein Mutter-Sohn-Verhältnis stellvertretend für die Komplexität menschlicher Beziehungen: Als der Schriftsteller Philipp erkennen muss, dass er und seine wohlhabende Familie die schlimmsten Menschen sind, begibt er sich mit seiner todkranken und todbetrunkenen Mutter Helene auf einen atemberaubenden Roadtrip durch die Schweiz. Bei dem Versuch, ihr angehäuftes Vermögen zu verschenken, treffen die beiden auf eine engelsgleiche Taxifahrerin und müssen ihre Plastiktüte voller Geld gegen habgierige Ganoven verteidigen. Nach dem gleichnamigen Roman von Christian Kracht. Kinostart ist am 24. Dezember 2026 im Verleih von DCM.
In dem 3D-Dokumentarfilm FROM INSIDE OUT – Die Architektur von Peter Zumthor widmet sich Wim Wenders dem Werk und der Philosophie des berühmten Schweizer Architekten. Der Film eröffnet eine immersive Perspektive auf alle wichtigen Bauten von Peter Zumthor – von der Bruder-Klaus-Kapelle in der Eifel und dem Kolumba Museum in Köln bis zum Erweiterungsbau der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel und dem Neubau des Los Angeles County Museum of Art. Der Film kommt am 26. November im Verleih von DCM in die Kinos.
In seinem poetischen Drama Geister erzählt Regisseur Fatih Akin von einer Liebesgeschichte über den Tod hinaus. In der Nacht ihrer ersten Begegnung stirbt Farasha. Doch sie findet einen Weg, Kontakt zu Faris aufzunehmen: für 40 Nächte kann sie ihn in seinen Träumen treffen. So erleben sie ihre junge Liebe, bis die letzte Nacht anbricht… Ruth Toma und Fatih Akin schrieben gemeinsam das Drehbuch. Geister eröffnet Mitte September das Internationale Filmfestival in San Sebastián, feiert bei FilmFest Hamburg Deutschlandpremiere und startet am 5. November im Verleih von Warner Bros. Entertainment in den deutschen Kinos.
Eine weitere Weltpremiere feiert Tilman Königs Der große Zusammenbruch. Die Tragikomödie folgt einem Lebenskünstler in Leipzig, seiner Tochter und einer dubiosen Konferenz, auf der der bevorstehende Kollaps des Systems vorhergesagt wird. König verbindet eine Vater-Tochter-Geschichte mit einem Blick auf Verschwörungsdynamiken und gesellschaftliche Verunsicherung und zeichnet neben der Regie auch für das Drehbuch verantwortlich. Ein Kinostart im Verleih von Weltkino ist für 2027 geplant.
Ebenfalls als Weltpremiere zeigt FilmFest Hamburg Kinder der Sonne von Leonie Krippendorff, die auch das Drehbuch schrieb. Vier junge Menschen gründen auf einem abgelegenen Berg in Griechenland eine radikale Gemeinschaft jenseits von Besitz, digitalen Verbindungen und Monogamie. Als ein Feuer ihr vermeintliches Paradies zerstört, gerät ihr Experiment totaler Freiheit ins Wanken. In den Hauptrollen spielen Jella Haase und Lena Urzendowsky. Vuelta Germany bringt die Deutsch-Griechische Co-Produktion im Frühjahr 2027 in die Kinos.
Nach dem gleichnamigen Bestseller von Daniela Dröscher blickt Aron Lehmanns in Lügen über meine Mutter auf eine Familie in der westdeutschen Provinz der 1980er-Jahre. Das Körpergewicht der Mutter wird zum Projektionsfeld für die unerfüllten Erwartungen ihres Mannes – gesehen aus der Perspektive der Tochter. Hauptdarstellerin Rosalie Thomass verfasste das Drehbuch. Lügen über meine Mutter feiert bei FilmFest Hamburg Weltpremiere und ist ab dem 8. Oktober im Verleih von Tobis in den Kinos zu sehen.
Eine außergewöhnliche Frauenfreundschaft steht im Zentrum von Ich sehe was, was ihr nicht seht, dem Kino-Spielfilmdebüt von Alisa Kolosova. Nach dem Tod ihrer gemeinsamen Freundin Solveigh bleiben nicht nur Yalda und Lou zurück, sondern auch offene Fragen ihrer gemeinsamen Vergangenheit – und Solveighs fünfjährige Tochter Sina. In den Hauptrollen spielen Saskia Rosendahl, Soma Pysall und Svenja Jung, das Drehbuch stammt von Judith Rose Gyabaah. Filmwelt bringt den Film am 18. März 2027 auf die große Leinwand.
Das in Cannes gefeierte Coming-of-Age-Drama I’ll Be Gone In June von Katharina Rivilis begleitet eine 16-jährige deutsche Austauschschülerin, die 2001 nach New Mexico kommt. Vor dem Hintergrund der Anschläge vom 11. September erlebt sie Fremdheit, erste Liebe und den schmerzhaften Übergang ins Erwachsenwerden. Ein Kinostart im Verleih von DCM ist für Mai 2027 geplant.
Mit Objet a präsentiert Ann Oren ihren zweiten Spielfilm. Das radikal sinnliche Mystery-Drama mit Aenne Schwarz und Louis Hofmann in den Hauptrollen folgt einem Paar, dessen von Liebe, Kontrolle und Obsession bestimmte Beziehung durch die Begegnung mit einer geheimnisvollen Frau aus dem Gleichgewicht gerät. Der Film startet am 21. Januar 2027 im Verleih von Grandfilm in den deutschen Kinos.
FilmFest Hamburg findet vom 24. September bis 3. Oktober 2026 statt. Gezeigt werden über 120 Produktionen aus aller Welt als Welt-, Europa-, Deutschland- oder Hamburg-Premieren. Festivalkinos sind das Abaton, CinemaxX Dammtor, Metropolis, Passage und das Studio Kino. Am 3. Oktober feiert FilmFest Hamburg den »Tag des freien Eintritts«: Alle FilmFest-Filme, die an diesem Tag in den fünf Festivalkinos und in den teilnehmenden »FilmFest ums Eck«-Kinos laufen, sind kostenfrei.



