Ausgezeichnete Filme, volle Kinos und sonnige Momente
Abschluss und Bilanz
3. Oktober 2026
Im Rahmen der Abschlussveranstaltung mit NDR Kultur-Moderatorin Julia Westlake sind am Abend vor dem Film Ha-Chan, Shake Your Booty! von Josef Kubota Wladyka im CinemaxX Dammtor weitere Preise des 34. FilmFest Hamburg vergeben worden. Mit rund 65.000 Festivalbesucher*innen, einschließlich des Binnenalster Filmfests und der Gäste der FilmFest Hamburg Industry Days, zieht das Festival eine positive Bilanz und konnte das Vorjahresergebnis um fünf Prozent steigern.
»Was für zehn Tage! Volle Kinos, viele schöne Begegnungen und ein Publikum, das sich mit großer Neugier und Begeisterung auf unsere Filme eingelassen hat. Dass wir an das starke Vorjahr anknüpfen und zugleich weiterwachsen konnten, freut uns sehr. Auch die guten Wünsche des Bürgermeisters für ein sonniges Festival sind in Erfüllung gegangen. Dieses FilmFest Hamburg hatte für uns eine ganz besondere Wärme und Strahlkraft. Genau dieses Gefühl nehmen wir mit«, sagt Festivalleiterin Malika Rabahallah.
Die Preise im Überblick:
Der mit 10.000 Euro dotierte Preis Der Politische Film der Friedrich-Ebert-Stiftung geht an die Regisseurin Laïla Marrakchi für Strawberries (Marokko, Frankreich, Spanien, Belgien 2026).
Auszug aus der Jurybegründung:
»Die Jury hat einen Film gesehen, der die Arbeitsbedingungen von Saisonarbeiterinnen in Europa sichtbar macht: ökonomische Abhängigkeiten, Ausbeutung und Gewalt, ohne seine Figuren auf eine Opferrolle zu reduzieren oder ihre Widersprüche auszublenden. Darin liegt seine politische und humanistische Kraft. Der Film zeigt Solidarität nicht als selbstverständliche oder widerspruchsfreie Haltung. Er macht sichtbar, wie sie sich im Handeln seiner Protagonistinnen immer wieder neu herstellen muss: unter Bedingungen von Hierarchien, Sprachbarrieren, Angst sowie patriarchaler und sexueller Gewalt. Solidarität erscheint nicht als moralische Geste, sondern als Praxis, die immer wieder neu ausgehandelt werden muss. Denn am Ende erzählt der Film nicht nur von Frauen, die unter prekären Bedingungen Erdbeeren ernten. Im Raum steht die Frage, wie eng diese Form der Ausbeutung mit unserem Alltag verbunden ist. Eine Schale Erdbeeren sieht nach diesem Film deshalb nicht mehr ganz so selbstverständlich aus(…) dieser Film stellt Zusammenhänge her, ohne sie zu vereinfachen. Er führt uns Verantwortung vor Augen, ohne sie didaktisch zu behaupten. Und er schafft einen Raum, in dem politische Realität und menschliche Erfahrung nicht gegeneinander ausgespielt werden.«
(Jury: Mehria Ashuftah, Rechtsanwältin & Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, Dan Thy Nguyen, freier Kurator, Sänger & Schauspieler; Merle Kröger, Autorin und Dramaturgin)
Der mit 5.000 Euro dotierte NDR Nachwuchspreis für Langfilmdebüts geht in diesem Jahr an die Regisseure Ezequiel Salinas und Ramiro Sonzini für ihren Dokumentarfilm The Night is Fading Away (Argentinien, 2025).
Auszug aus der Jurybegründung:
»The Night is Fading Away erzählt den Alltag des einfachen Kinonachtwächters Pelu und ermöglicht uns dadurch einen einfühlsamen und erdenden Blick hinter die Kulissen, ohne dabei in das Spektakel des konventionellen Kinos zu verfallen. Stattdessen erleben wir, wie aus einem Kino ein Zufluchtsort für Pelu und Menschen werden kann, die sonst kaum einen solchen Raum haben(…). Die soziale Kluft, die der Film sichtbar macht, wird dabei nie ausgestellt oder erklärt, sondern ist Teil des Alltags seiner Figuren. The Night is Fading Away steht symbolisch für alle Filme, die für den NDR Nachwuchspreis nominiert worden sind und durch das Kino als öffentlichen Raum eine Plattform bekommen. Jeder Film hat Zuschauer*innen auf der anderen Seite, die lachen, weinen, aushalten, oder vielleicht einfach kurz einschlafen, was aber auch völlig in Ordnung ist, wie der Film der beiden argentinischen Regisseure beweist (…).«
(Studierenden-Jury: Marie Hügel, Kaan Çelimli, Sarah Pommerening)
Der Preis der Filmkritik wird seit 2018 in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen Filmkritik vergeben. Der Preis geht an den Film Let Us Through, Dear Ancestors von Lav Diaz (Philippinen 2026).
Jurybegründung:
»Dieser Film hat uns die ganze Woche über begleitet. Wir bewundern seine erzählerische Souveränität und den Mut zur Auslassung: eine Dramaturgie, die das Off mitdenkt. Die flirrende Textur der Bilder lässt eine sinnlich konkrete und eigentümlich undurchdringliche Welt entstehen. In der dichten Verflechtung von Kolonialismus, Patriarchat und Christianisierung werden die Mechanismen der systemischen Unterdrückung der indigenen Bevölkerung sichtbar. Über distanzierte Einstellungen erzählt, ist uns dieses antikolonialistische Epos sehr nahe gegangen.«
(Jury: Friederike Horstmann, Cargo, Perlentaucher, critic.de; Nele S. Kayser, Nowhen, Jugend ohne Film; Danny Marques Marçalo, NDR)
Der mit 5.000 Euro dotierte FilmFest Hamburg Publikumspreis, gestiftet von der Hapag-Lloyd Stiftung, für den Publikumsliebling des Festivals geht an Nur geträumt von Éric Toledano und Olivier Nakache.
Bereits am 30. September sind die ersten Preise vergeben worden: Der Hamburg Producers Award Internationale Kino-KoPro ging an die Produzent*innen Gerhard Meixner, Roman Paul und Christiane Sommer (Razor Film) für die internationale Koproduktion Minotaurus (Regie: Andrey Zvyagintsev; Drehbuch: Simon Lyashenko, Andrey Zvyagintsev; Frankreich, Lettland, Deutschland). Gewinner des Hamburg Producers Award Deutsches Kino sind die Produzenten Tristan Bähre und Philipp Maron (Maverick Film) für den Film Ich sehe was, was ihr nicht seht (Regie: Alisa Kolosova; Drehbuch: Judith Rose Gyabaah). Beide Preise sind mit je 25.000 Euro dotiert und werden von der Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg zur Verfügung gestellt.
Gewinner des Hamburg Producers Award Deutsche Fernsehfilme ist der Produzent Markus Mayr (MÄKSMY Films), für LORD (Regie & Drehbuch: Caren Wuhrer). Mit dem Hamburg Producers Award Deutsche Serien sind die Produzenten Simon Amberger, Korbinian Dufter und Rafael Parente (NEUESUPER) für die Serie Breitscheidplatz 19/12 (Regie: David Nawrath; Drehbuch: David Nawrath, David Marian) ausgezeichnet worden.
Das Preisgeld in Höhe von insgesamt 35.000 Euro wird von der Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten (VFF) gestiftet.
Der mit 25.000 Euro dotierte Arthouse Cinema Award des internationalen Verbands der Filmkunsttheater C.I.C.A.E. geht an den deutschen Verleih Grandfilm für den Film La Gradiva von Marine Atlan. Die MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein als Preisstifterin begleitet den Preis mit PR-Maßnahmen für die Herausbringung des Films.
Der mit 10.000 Euro dotierte und vom Hamburger Kinobetreiber Hans-Peter Jansen zur Verfügung gestellte Junior Filmpreis MAJA wurde am 2. Oktober von der Junior-Jury an den Animationsfilm Julián (Irland, Luxemburg, Kanada, Dänemark 2026; Regie: Louise Bagnall) vergeben. Es gab außerdem eine lobende Erwähnung für Konas Mission von Gabriel Osorio (Chile 2026).
Mit dem Douglas Sirk Preis, ist in diesem Jahr die britische Schauspielerin Helen Mirren ausgezeichnet worden. Der diesjährige Albert Wiederspiel Preis in Höhe von 10.000 Euro und gestiftet von der Hapag-Lloyd Stiftung ging an den kongolesischen Regisseur Rafiki Fariala für seinen Film Congo Boy.
Stars & Branchengäste & starke Industrie
Auf dem Roten Teppich begrüßten Malika Rabahallah und ihr Team insgesamt 653 Gäste aus 32 Ländern, darunter unter anderem die Regisseur*innen Lukas Dhont, Martin McDonagh, Fatih Akin, Wim Wenders, Małgorzata Szumowska, Michał Englert, Andrey Zvyagintsev, Doris Dörrie, Shahrbanoo Sadat, Laïla Marrakchi, Anton Corbijn, Pegah Ahangarani, Olivier Nakache, Éric Toledano, Rachel Rose, Manuela Martelli sowie die Schauspieler*innen Helen Mirren, Barbara Sukowa, Saskia Rosendahl, Maximilian Mundt, Luna Wedler, Alexander Fehling, Mina Rahimzadeh, Golo Euler, Rosalie Thomass und Christian Friedel.
Zum zweiten Mal waren die internationalen Formate European Work in Progress (EWIP) und der International Film Distribution Summit (IFDS) Teil der FilmFest Hamburg Industry Days. Branchengäste aus der ganzen Welt, darunter Produzent*innen, Verleiher*innen und Weltvertriebe, nutzten die erweiterte Industry-Plattform inklusive Explorer Konferenz und der nationalen Veranstaltungsreihe Made in Germany für Vernetzung und Austausch.
FilmFest Hamburg wird gefördert und unterstützt von der Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg sowie von den treuen Hauptpartnern Deutsche Fernsehlotterie, Hapag-Lloyd Stiftung, Studio Hamburg Gruppe, Grand Elysée Hotel und dem Mobilitätspartner MOIA. Weitere Förderer sind die Karin und Walter Blüchert Gedächtnisstiftung, ARTE, der Hauptmedienpartner NDR sowie noch weitere 60 Partner, Förderer und Unterstützer.
Die 35. Ausgabe von FilmFest Hamburg findet vom 30. September bis 9. Oktober 2027 statt.



