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8. April 2026
Seit 70 Jahren fördert die Deutsche Fernsehlotterie soziale Projekte in ganz Deutschland. Im Interview spricht Geschäftsführer Christian Kipper über den Wandel gesellschaftlicher Herausforderungen, aktuelle Förderschwerpunkte und die Kraft von Geschichten, soziale Realitäten sichtbar zu machen.
FILMFEST HAMBURG: Die Deutsche Fernsehlotterie wird in diesem Jahr 70 Jahre alt. Welche gesellschaftlichen Themen standen im Zentrum Ihrer Arbeit, und wie haben sich die Schwerpunkte im Laufe der Zeit verändert?
CHRISTIAN KIPPER: Seit ihrer Gründung steht für die Deutsche Fernsehlotterie vor allem eines im Mittelpunkt: der Einsatz für Menschen, die Unterstützung benötigen, und die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. In den Anfangsjahren lag der Fokus stark auf der Hilfe für Kinder im kriegszerstörten Berlin und dem Motto »Ein Platz an der Sonne«. Mit den Jahrzehnten hat sich unser Blick auf die Gesellschaft weiterentwickelt. Heute verstehen wir soziale Teilhabe deutlich umfassender: Es geht um Hilfestellungen und die Versorgung von Menschen in unserer Gesellschaft, die Unterstützung brauchen. Es geht um Inklusion und die Möglichkeit zur Beteiligung aller am gesellschaftlichen Leben. Themen wie Einsamkeit, Kinder- und Jugendarmut, Integration, Pflege oder auch die Unterstützung von Menschen mit Behinderungen sind stärker in den Vordergrund gerückt. Gleichzeitig reagieren wir flexibel auf aktuelle Herausforderungen – sei es in Krisenzeiten oder bei strukturellen gesellschaftlichen Veränderungen. Diese Verbindung aus Kontinuität in den Werten und Offenheit für neue Bedarfe prägt unsere Arbeit bis heute.
FILMFEST HAMBURG: Ein großer Teil Ihrer Förderung unterstützt soziale Projekte und Initiativen: Welche Rolle spielen diese heute für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, und wo sehen Sie aktuell den größten Bedarf?
CHRISTIAN KIPPER: Soziale Projekte und Initiativen sind heute ein unverzichtbares Fundament für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und ein funktionierendes Gemeinwesen. Sie wirken oft dort, wo staatliche Strukturen an ihre Grenzen stoßen oder wo individuelle Lebenslagen sehr spezifische Unterstützung erfordern. Vor allem auf lokaler Ebene schaffen sie Begegnungsräume, fördern gegenseitiges Verständnis und ermöglichen konkrete Hilfe im Alltag. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen zunehmen und viele Menschen Verunsicherung erleben, kommt diesen Projekten eine besondere Bedeutung zu. Sie geben Halt, fördern Teilhabe und stärken das Vertrauen in gemeinschaftliches Handeln. Den größten Bedarf sehen wir derzeit in mehreren Bereichen: bei der Bekämpfung von Einsamkeit – insbesondere unter älteren Menschen, aber zunehmend auch bei Jüngeren –, bei der Unterstützung von Familien in belasteten Lebenssituationen sowie bei der Integration und Inklusion. Auch die Stärkung des Ehrenamts ist zentral, denn ohne das Engagement vieler Freiwilliger wären zahlreiche Projekte nicht denkbar. Insgesamt geht es darum, Strukturen zu fördern, die Menschen nicht nur kurzfristig helfen, sondern ihnen langfristig Perspektiven eröffnen.
FILMFEST HAMBURG: Als langjähriger Partner präsentiert die Deutsche Fernsehlotterie die Sektion TELEVISIONEN: Welche Kraft haben Geschichten und Bilder, wenn es darum geht, soziale Realitäten sichtbar zu machen und gesellschaftliches Engagement zu stärken?
CHRISTIAN KIPPER: Geschichten und Bilder haben eine enorme Kraft, weil sie abstrakte Themen greifbar und emotional erfahrbar machen. Zahlen und Statistiken können Missstände beschreiben – aber erst durch persönliche Geschichten verstehen wir wirklich, was sie für einzelne Menschen bedeuten und wo Handlungsbedarf besteht, der uns motivieren kann, uns zu engagieren. Genau darin liegt die Stärke von Film und Fernsehen.



