
KulturLeben Hamburg
19. Dezember 2025
Petra Schilling von KulturLeben Hamburg e.V. setzt sich dafür ein, dass Kultur für alle erlebbar wird, unabhängig von Einkommen oder Lebensumständen. Der Verein vermittelt kostenfreie Tickets für Konzerte, Theater, Kino und andere Veranstaltungen und schafft so Begegnungen, Gemeinschaft und neue Perspektiven.
FILMFEST HAMBURG: KulturLeben Hamburg e.V. ermöglicht Menschen mit geringem Einkommen kulturelle Teilhabe. Welche Bedeutung hat der Zugang zu Veranstaltungen wie FILMFEST HAMBURG und MICHEL Kinder und Jugend Filmfest für die soziale und emotionale Teilhabe dieser Zielgruppen?
PETRA SCHILLING: Kultur ist Lebensmittel – davon sind wir fest überzeugt. Über 20.000 armutsbetroffene Menschen in Hamburg nutzen bereits unsere kostenfreie Teilhabe-Vermittlung. Und die Nachfrage wächst stetig weiter. Die zahlreichen, teils auch sehr persönlichen Rückmeldungen, die uns von unseren KulturGästen erreichen, zeigen uns immer wieder aufs Neue, dass Kultur so viel mehr ist als »nur« Unterhaltung: Sie ist Anregung und Trost, stiftet Gemeinschaft und bringt Menschen in Kontakt. Diese soziale und verbindende Dimension der kulturellen Teilhabe hat für die Einzelnen eine große Bedeutung – und sie spielt eine wichtige Rolle im Einsatz für ein lebendiges und gelingendes Miteinander in unserer vielfältigen Hamburger Stadtgesellschaft.
FILMFEST HAMBURG: Wir möchten ein Festival für alle sein. Welche Barrieren sehen Sie aktuell noch im Kulturbereich speziell bei Film- und Kinoangeboten und wie können Organisationen wie unsere gemeinsam helfen, diese abzubauen?
PETRA SCHILLING: Die Schwellen, die für viele Menschen den Zugang zu kultureller Teilhabe erschweren oder verhindern, sind vielfältig. Unser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, vor allem ökonomische Barrieren zu beseitigen und Menschen mit geringen finanziellen Mitteln einen möglichst umfassenden Zugang zum Kulturleben ihrer Stadt zu ermöglichen. Gemeinsam mit der Karin und Walter Blüchert Gedächtnisstiftung und dem FILMFEST HAMBURG konnten wir jetzt schon zum zweiten Mal von Altersarmut betroffene Menschen zu ganz besonderen Kinonachmittagen einladen. Angebote wie diese – und natürlich auch der großartige »Tag des freien Eintritts« am 3. Oktober – sprechen eine Einladung aus und bringen Menschen in Berührung mit dem FILMFEST HAMBURG, die nicht zu den klassischen »Zielgruppen« von Filmfestivals zählen. Mit großem Erfolg! Die begeisterte Resonanz zeigt, dass die Einladung ankommt und gerne angenommen wird.
FILMFEST HAMBURG: Bei den gemeinsamen Vorführungen für Senior*innen haben wir bereits erlebt, wie wichtig niedrigschwellige Kulturangebote sind. Welche Formate oder Kooperationen wünschen Sie sich künftig, um noch mehr Menschen den Weg ins Kino und zu Festivals zu öffnen?
PETRA SCHILLING: Wir freuen uns über die schönen Erfahrungen, die wir bereits gemeinsam sammeln konnten. Ein Thema, das uns aktuell besonders beschäftigt, ist die weit verbreitete Einsamkeit, die leider oft mit Armut einhergeht. Viele unserer KulturGäste wünschen sich mehr Begegnung und neben der kulturellen auch eine bessere soziale Teilhabe. Das gilt für ältere und auch für junge Menschen gleichermaßen. Unser Verein KulturLeben Hamburg wird im kommenden Jahr 15 Jahre alt. Vielleicht ist das ein schöner und passender Anlass, um darüber nachzudenken, ob wir die erprobte Kooperation um Einladungen auch für unsere jugendlichen KulturGäste erweitern können. Wir freuen uns aufs gemeinsame Pläneschmieden!



