
Interview mit Hans-Peter Jansen
18. Februar 2026
Seit Jahrzehnten steht Hans-Peter Jansen für leidenschaftliches, unabhängiges Kino im Norden: Mit sechs Häusern in Hamburg und in Schleswig-Holstein prägt er die Kinolandschaft nachhaltig. Nun wurde er auf der Berlinale mit dem Ehrenpreis der AG Verleih ausgezeichnet. Im Gespräch mit FILMFEST HAMBURG spricht der Kinobetreiber über die Magie des Kinos als sozialen Ort, die Verantwortung gegenüber dem Nachwuchspublikum und warum Glück manchmal doch kein Zufall ist.
FILMFEST HAMBURG: Herr Jansen, Sie führen als Kinofamilie vier Häuser in Hamburg und zwei in Schleswig-Holstein und setzen sich seit vielen Jahren mit großer Leidenschaft für das unabhängige Kino ein. Nun werden Sie bei der Berlinale mit dem Ehrenpreis der AG Verleih ausgezeichnet. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Ihr Engagement über die Grenzen Hamburgs hinaus auf diese Weise gewürdigt wird?
HANS-PETER JANSEN: Ich war gerade auf dem Weg nach Fehmarn, als der Anruf von der AG Verleih kam. Ich fühle mich sehr geehrt, vor allem, weil ich nun in einer Reihe mit einer weiteren herausragenden Kinobetreiberin stehe, die diesen Ehrenpreis bereits erhalten hat: Marianne Menze von der Essener Lichtburg. Ich habe am Telefon allerdings auch gleich gesagt, dass ich den Preis nur annehme, wenn ich mitbestimmen darf, wer was über mich sagt. Darauf haben sie sich eingelassen. Der Laudator am 17. Februar ist der Hamburger Kultursenator Dr. Carsten Brosda. Er kann und darf das als einziger, und ich freue mich wirklich sehr, und auch darüber, dass der Preis zum siebten Mal verliehen wird. Die Sieben ist meine Glückszahl, das kann also alles kein Zufall sein, ich glaube nämlich nicht an Zufälle.
FILMFEST HAMBURG: Für Sie ist Kino weit mehr als nur Filmvorführungen. Was macht für Sie den Zauber des Kinos als gemeinschaftlichen Ort aus, und warum lässt sich dieses Erlebnis zu Hause nicht ersetzen?
HANS-PETER JANSEN: Ich sehe mich in erster Linie als Kinobetreiber, weniger als Cineast. Natürlich geht es um die Filme, aber noch viel mehr um den Ort. Kino hat etwas Magisches, etwas Zauberhaftes. Die Menschen kommen zu uns, um aus der realen Welt für ein paar Stunden in eine andere einzutauchen, im Dunkeln und gemeinsam mit anderen. Hier können sie sich öffnen und Emotionen zulassen, die sie vielleicht sonst nicht ausleben: lachen, weinen, schreien, sich fürchten – die ganze Palette. Kino ist für mich ein zutiefst sozialer Ort. Wenn mir dann eine Besucherin beim Rausgehen sagt: »Der Film war heute nicht so gut, wir sehen uns morgen wieder«, oder ein anderer Stammkunde mir stolz erzählt, dass er schon fünfmal in dieser Woche da war, und ich ihm antworte: »Ich weiß, und ich weiß auch, welche Filme du gesehen hast«, dann macht mich das glücklich. Es ist einfach erfüllend zu sehen, dass diese Menschen in unseren Kinos eine Heimat gefunden haben.
FILMFEST HAMBURG: Mit der MAJA haben Sie 2023 einen mit 10.000 Euro dotierten Preis für das MICHEL Kinder und Jugend Filmfest von FILMFEST HAMBURG gestiftet. Warum ist Ihnen die Förderung des jungen Publikums so wichtig?
HANS-PETER JANSEN: Kino für Kinder ist das Wichtigste. Wir müssen an unser Publikum von morgen denken und auch den Jüngsten diese besondere Erfahrung ermöglichen. Auch nach 30 Jahren werden wir doch alle noch nach unserem ersten Film im Kino gefragt, und nicht danach, was wir zum ersten Mal im Fernsehen gesehen oder gestreamt haben. Es geht um diese einmalige Erfahrung: den ersten Kinobesuch mit einer Freundin, das erste Kinoticket, das man vom eigenen Taschengeld bezahlt hat. Weil mir der Kinonachwuchs so sehr am Herzen liegt, war es für mich nur logisch, einen Preis zu stiften. Da lag das MICHEL Filmfest sehr nahe. Ich glaube, es gibt sonst keinen Kinobetreiber in Deutschland, der einen Preis vergibt. Das macht mich auch ein wenig stolz. Den MAJA-Preis stifte ich im Andenken an meine verstorbene Frau Lydia Matern-Jansen. Nach ihr ist der Preis benannt, nach den jeweils ersten beiden Buchstaben ihres Nachnamens. Und wenn man dann auch noch an die Biene Maja denkt, schlägt das wieder eine Brücke zu unserem wichtigen jüngsten Kinopublikum.



