
Greta & Starks
19. Januar 2026
Kino verbindet, doch lange Zeit waren viele Filmangebote für Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen nur eingeschränkt zugänglich. Seneit Debese, Geschäftsführerin von Greta & Starks, setzt sich dafür ein, dass Barrierefreiheit nicht nur eine Option, sondern ein integraler Teil von Filmkultur wird. Mit der GRETA-App ihres Unternehmens macht sie Kinoerlebnisse für alle zugänglich, schafft neue gemeinsame Erfahrungen im Saal und zeigt, dass vielfältige Perspektiven den Film bereichern. Ihr Engagement wirkt nicht nur in Deutschland, sondern macht auch international deutlich, wie inklusives Kino Realität werden kann.
FILMFEST HAMBURG: Barrierefreiheit wird im Filmbereich noch immer oft als Zusatz gedacht. Warum ist sie aus Ihrer Sicht ein zentraler Bestandteil von Filmkultur?
SENEIT DEBESE: In den letzten Jahren hat sich tatsächlich viel bewegt. Barrierefreiheit wird inzwischen durch das Engagement von Filmförderungen nicht mehr nur als freiwilliger Zusatz verstanden, sondern zunehmend von Anfang an mitgedacht. Das ist eine enorme Errungenschaft, für die Blinden- und Behindertenverbände gemeinsam mit Filmschaffenden über zwölf Jahre lang gekämpft haben. Die Branche hat Enormes geleistet. Für mich persönlich ist Filmkultur eine Möglichkeit zu verstehen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Dieses Verständnis wird aber nur dann vollständig, wenn möglichst viele Perspektiven einbezogen werden. Es gibt zahlreiche Filme über Menschen mit Behinderung, dann ist es nur konsequent, Menschen mit Behinderung auch als Filmschaffende und selbstverständlich als Zuschauer*innen mitzudenken. Barrierefreiheit bedeutet letztlich, Kultur wirklich für alle zugänglich zu machen.
FILMFEST HAMBURG: Die GRETA-App ermöglicht barrierefreies Kino per Smartphone. Wie funktioniert das Angebot konkret, und wie wird die App im Kino- und Festivalbetrieb eingesetzt?
SENEIT DEBESE: Die Anwendung ist sehr einfach. Die App wird im App Store oder Play Store heruntergeladen, und anschließend kann man sehen, welche barrierefreien Fassungen verfügbar sind und in welchen Kinos oder bei welchen Festivals die Filme laufen. Die gewünschte Fassung, etwa Audiodeskription oder Untertitel, wird vorab heruntergeladen. Im Kino synchronisiert sich die App automatisch mit dem Film und spielt die jeweilige Fassung parallel ab. Besonders schön finde ich, dass GRETA auch gemeinschaftliche Kinoerlebnisse ermöglicht: Wenn Freund*innen, Kolleg*innen oder Begleitpersonen wissen, dass es dieses Angebot gibt, können ganz neue Kinobesuche entstehen, die vorher vielleicht nicht möglich gewesen wären.
FILMFEST HAMBURG: Der Bedarf an barrierefreien Filmangeboten wächst stetig. Wie nehmen Sie die aktuelle Nachfrage in Deutschland und international wahr, und welche Ziele verfolgen Sie mit Greta & Starks in den kommenden Jahren?
SENEIT DEBESE: International sind wir in 14 Ländern aktiv und erleben sehr unterschiedliche Bedingungen. Besonders beeindruckend ist für mich die Ukraine, wo es trotz des Krieges ein großes, teils flächendeckendes Angebot an barrierefreien Filmvorführungen gibt. Für uns ist es zentral, im stetigen Austausch mit den Anwender*innen zu bleiben und zu schauen, was ihre Bedürfnisse sind und wie wir die Nutzung weiter verbessern können. Deutschland hat aktuell eine Art Leuchtturmfunktion in Europa, weil die Adaption von Barrierefreiheit durch die Kinobranche und Förderinstitutionen in dieser Form einzigartig ist. Dadurch ist das Angebot deutlich größer geworden. Besonders freut mich, dass die Hörverstärkung von Hörgeräteträger*innen immer mehr mit Begeisterung in Anspruch genommen wird. Unser Ziel ist es, noch mehr barrierefreie Kinomomente zu ermöglichen und so das Kinoerlebnis, das wir so sehr lieben, immer mehr Menschen zugänglich zu machen.



