Filmfest
#FFHH20
24.09. - 03.10.2020
Hamburg
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Team-Tipp #9
02.10.2020

Aswang ist ein Dokumentarfilm, der unmissverständlich klar macht, dass der philippinische Krieg gegen Drogen ein Krieg gegen die Armen ist.

Seit dem Beginn seiner Amtszeit in 2016 ruft Präsident Duterete die Polizei und seine Bevölkerung zum Töten von Drogenabhängigen und Drogendealern auf. Dabei hat er bereits den Holocaust als sein Vorbild bezeichnet. In den letzten vier Jahren gab es um die 30.000 „extrajudicial killings" darunter 100 ermordete Kinder. Tausende Kinder von unschuldig ermordeten und verhafteten Eltern werden - wie der kleine Jomari- täglich auf den Straßen Manilas sich selbst überlassen.

Mich hat zu Beginn verwundert, wie wenig Information und direkte Kritik an Dutertes Politik und der Polizeigewalt der Film enthält. Als uns die Regisseurin Alyx Arumpac mitteilte, dass sie uns kein Video-Interview für unser Online-Angebot zukommen lassen kann, da auf den Philippinen aktuell unzählige Festnahmen von Regierungskritikern stattfinden, wurde offenbar warum die Regisseurin das Schicksal der Bevölkerung Manilas anhand der mythischen Figur des Aswangs, einem Dämon der Angst, erzählt. Die staatlichen Repressionen und die Einschüchterungstaktik des Präsidenten hat die Bevölkerung der Philippinen bereits mundtod gemacht. Der Blick des Dokumentarfilmes hin zu den Opfern und weg von den Verursachern des Drogenkrieges ist Resultat und Indikator dessen, wie schlimm es in den Philippinen um Menschenrechte, Meinungs- und Pressefreiheit steht.

Der Film ist auch deshalb so relevant für alle Hamburger*innen, weil die komplett fehlgeleitete Drogenbekämpfungspolitik, die hauptsächlich Jagd auf die sichtbaren und schwächsten Glieder einer langen Drogenhandelskette macht, die eigentlich staatliche Hilfe anstatt Verfolgung erfahren sollten, jeden Tag vor unserer eigenen Haustüre stattfindet. Der Film ist auch ein dringender Appell an ein Umdenken.

Nutzen Sie unbedingt die Gelegenheit, dass die Regisseurin Alyx Arumpac für das Screening am Samstag aus den Philippinen anreisen konnte und denen eine Stimme geben kann, die zu tief in einem System von Unterdrückung stecken um selbst frei zu sprechen, sowie denen, die komplett mittellos in einem Land leben, in dem man sich Gerechtigkeit nur erkaufen kann.

- Julia Wiedenmann, Produktion Digitale Inhalte

ASWANG, Philippinen, Deutschland, Katar, Norwegen, Frankreich, Dänemark 2019, Alyx Ayn Arumpac


Samstag, 03.10., 19 Uhr, CinemaxX 2 und auf STREAMFEST HAMBURG