Filmfest
#FFHH20
24.09. - 03.10.2020
Hamburg
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Fassbinder auf allen Leinwänden
25.08.2020

Rainer Werner Fassbinder war nicht nur der kontroverseste, sondern auch der produktivste Regisseur des »Neuen Deutschen Films«. Zur diesjährigen Eröffnung von FILMFEST HAMBURG am 24. September wird Fassbinder nicht nur - von Oliver Masucci dargestellt - in Oskar Roehlers Film Enfant Terrible in Erscheinung treten, auch die Festivalkinos Abaton, Metropolis, Passage und das Studio-Kino zeigen parallel zentrale Werke aus Fassbinders Œuvre.

Parallel zur Eröffnung mit Enfant Terrible, Oskar Roehlers Verbeugung vor Fassbinder, im CinemaxX Dammtor werden in den anderen Filmfest-Kinos Klassiker von Fassbinder selbst zu sehen sein. Das Metropolis zeigt mit Die bitteren Tränen der Petra von Kant ein frühes Melodram des legendären Regisseurs, das die sadomasochistische Beziehung zweier, von Margit Carstensen und Hanna Schygulla gespielten, Frauen seziert. Im Studio-Kino wird ein anderes Frauenporträt gezeigt – das Wirtschaftswunder-Melodram Lola. Darin führen Fassbinder und seine Schauspieler·innen Armin Mueller-Stahl, Barbara Sukowa und Mario Adorf die Korruption in der jungen Bundesrepublik und die Korrumpierbarkeit durch Liebe vor. Mit In einem Jahr mit 13 Monden zeigt Passage Oskar Roehlers Lieblingsfilm von Fassbinder und einen der düstersten und persönlichsten Werke des Filmemachers: Die Geschichte einer Transsexuellen, die im unwirtlichen Frankfurt der 70er Jahre auf der verzweifelten Suche nach menschlicher Nähe nur auf Ablehnung und Gewalt stößt, entstand als Reaktion auf den Tod von Fassbinders damaligem Lebensgefährten. Kurz vor seinem Tod drehte Fassbinder die opulente Jean Genet-Verfilmung Querelle mit Franco Nero und Jeanne Moreau. Sein letzter Film ist ein in atemberaubender Studiokulisse verwirklichter Fiebertraum über Matrosen, Hafenspelunken und Homosexualität und wird im Abaton zu sehen sein.

Vor den Filmen wird die Eröffnungszeremonie mit Gästen live aus dem CinemaxX Dammtor in alle Filmfest-Kinos übertragen.

Über Rainer Werner Fassbinder

Nach einer erfolglosen Bewerbung an der damals neugegründeten Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin wählte Rainer Werner Fassbinder den Umweg über das Theater, um mit einigen seiner dortigen Ensemblemitglieder wie Hanna Schygulla und der in diesem Jahr verstorbenen Irm Hermann zum Film zu kommen. Als Fassbinders Debütfilm Liebe ist kälter als der Tod 1969 auf der Berlinale seine Premiere feierte, wurde der Filmemacher auf der Bühne ausgepfiffen. Doch die Wahrnehmung seiner von Jean-Luc Godard, Glauber Rocha und vor allem von dem deutschen Exilregisseur Douglas Sirk inspirierten Filme änderte sich schnell und schon 1976 nannte ihn die New York Times den »faszinierendsten, talentiertesten, produktivsten und originellsten jungen Filmemacher in der Bundesrepublik«. Mit einem Ensemble von Schauspielerinnen, die er größtenteils selbst entdeckte und mit seinen Arbeiten zu Stars machte, drehte der unglaublich produktive Regisseur bis zu sieben Filme pro Jahr. Fassbinder selbst hat einmal gesagt: »Schlafen kann ich, wenn ich tot bin« und tatsächlich endete seine Arbeitswut im Jahr 1982 mit seinem viel zu frühen Tod im Alter von 37 Jahren und einem Werk von über 40 Filmen und mehreren Fernsehserien, wie Berlin Alexanderplatz.

FILMFEST HAMBURG findet vom 24. September bis 3. Oktober 2020 als kompakte Festivaledition mit rund 70 Filmen statt. Festivalkinos sind das Abaton, CinemaxX Dammtor, Metropolis, Passage und Studio-Kino. Aufgrund der Platzbeschränkungen in den Kinos werden für einige Produktionen auch Streamingtickets angeboten. Das Programm wird am 8. September 2020 bekannt gegeben, der Vorverkauf startet am 10. September 2020.