Filmfest
#FFHH20
24.09. - 03.10.2020
Hamburg
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Reichardt & Larraín
04.08.2020

Mit dem Format »Gegenwartskino im Fokus« wird FILMFEST HAMBURG auch in diesem Jahr wieder zwei herausragende Filmemacher·innen in den Blick nehmen. Nachdem im letzten Jahr auf die Arbeiten von Céline Sciamma und Lav Diaz und damit nach Europa sowie Asien geschaut wurde, wird nun der amerikanische Doppelkontinent in den Fokus gestellt. Neben den jeweils aktuellen Filmen der US-Amerikanerin Kelly Reichardt und des chilenischen Regisseurs Pablo Larraín, First Cow und Ema, werden auch frühere Werke in den FILMFEST-Kinos zu sehen sein. Diese werden um weitere Filme im Online-Angebot STREAMFEST HAMBURG sowie um ausführliche, digitale Werkgespräche mit den Künstler·innen ergänzt.


Festivalleiter Albert Wiederspiel: »Mit dem diesjährigen Blick auf die beiden amerikanischen Kontinente wollen wir erneut zwei herausragende Filmemacher·innen einem breiten Publikum vorstellen. Kelly Reichardt und Pablo Larraín drehen ihre Filme mal mit großen Stars, mal mit brillanten Charakterdarstellern und verfolgen seit ihren Anfängen kompromisslos ihre künstlerischen Visionen. Damit setzen wir unser Projekt fort, jedes Jahr zwei unserer Meinung nach in Deutschland bisher nicht genug bekannte Regisseur·innen, idealerweise eine Frau und einen Mann aus zwei verschiedenen Kontinenten, unserem Hamburger Publikum vorzustellen.«

Kelly Reichardt hat ihren Debütfilm River of Grass (USA 1994) im Bundesstaat Florida angesiedelt, wo sie selbst aufgewachsen ist. Reichardt interessiert sich in ihren Arbeiten für die genaue Beobachtung von Orten und Landschaften jenseits der amerikanischen Metropolen. So auch in diesem Film, der von einem jungen Paar erzählt, das glaubt, einen Mord begangen zu haben und sich deswegen auf die Flucht begeben will, aber kein Geld hat um diesen Plan in die Tat umzusetzen.
Von einer beschwerlichen Reise erzählt auch Meek's Cutoff (USA 2010): Während eines Trecks durch die Prairie im Jahr 1845, beginnen die Reisenden, an den Fähigkeiten ihres Reiseführers zu zweifeln. Die Vorräte gehen zur Neige, die Männer diskutieren untereinander mögliche Alternativen zu dem eingeschlagenen Weg. Reichardt beobachtet besonders die die Frauen der Gruppe, darunter Emily, gespielt von Michelle Williams. Zwischen den aus der Heimat mitgeschleppten Geschlechterrollen und der amerikanischen Idee, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, beginnt in der Gruppe ein Wandel der Machtverhältnisse. 
Auf der diesjährigen Berlinale fand Kelly Reichardts Wettbewerbs-Beitrag First Cow (USA 2019) große Beachtung. Die im frühen 19. Jahrhundert angesiedelte Geschichte spielt, wie schon Meek's Cutoff und die meisten von Reichardts anderen Filmen, von denen einige im diesjährigen digitalen Angebot STREAMFEST HAMBURG zu sehen sein werden, in Oregon. Die lakonische Pioniergeschichte umgeht dabei heroische Westerngeschichten und konzentriert sich stattdessen auf die zwischenmenschlichen Aspekte der Besiedlung des Westens und die Charaktere, die die USA zu einem melting pot diverser Identitäten gemacht haben.


Im Jahr 2008 feierte Pablo Larraín mit der Cannes-Premiere von Tony Manero (Chile 2008) seinen internationalen Durchbruch. Die Geschichte eines Serienkillers mit einer Obsession für die von John Travolta gespielte Hauptfigur aus dem 70er Jahre Klassiker Saturday Night Fever ist zugleich düstere Charakterstudie, intensiver Psychothriller und eine Untersuchung der politischen Situation Chiles während der Pinochet-Diktatur.
Die Beschäftigung mit der Ära Pinochet setzte Larraín in den darauffolgenden Jahren mit den Filmen Post Mortem (Chile, Mexiko, Deutschland 2010) und No! (Chile, Frankreich, USA 2012) fort. In letzterem spielt Gael García Bernal einen erfolgreichen Werbefachmann, der von den politischen Gegnern Augusto Pinochets engagiert wird, um eine Wahlkampf-Strategie für deren »No«-Kampagne gegen die Wiederwahl der Regierung bei der Volksabstimmung im Jahr 1988 zu entwickeln. Abgeschreckt von den Einschüchterungsmaßnahmen des Regimes und doch zunehmend politisiert entsteht eine Bewegung, die Hoffnungen auf eine bessere Zukunft weckt.
Mit Gael García Bernal arbeitete Larraín auch für seinen aktuellen Film wieder zusammen, der im vergangenen Jahr in Venedig uraufgeführt wurde. Ema (Chile 2019; Kinosstart: 22.10.2020; Koch Films/Studiocanal) ist das Porträt einer jungen Tänzerin, die sich von ihrem Lebensgefährten trennt, nachdem die beiden ihr adoptiertes Kind zurück ins Heim gebracht haben. Von Schuldgefühlen geplagt und doch auf der Suche nach einem Ausweg, begibt sie sich auf eine tänzerische Odyssee durch die chilenische Hafenstadt Valparaíso. Larraín inszeniert ihre Seelensuche in intensiven Farben und wuchtigen Choreographien.
Ergänzt wird das Programm durch weitere Filme von Pablo Larraín, die im Kino und im Webangebot STREAMFEST HAMBURG zu sehen sein werden.

FILMFEST HAMBURG findet vom 24. September bis 3. Oktober 2020 als kompakte Festivaledition mit rund 70 Filmen statt. Festivalkinos sind das Abaton, CinemaxX Dammtor, Metropolis, Passage und Studio-Kino. Aufgrund der aktuellen Platzbeschränkungen in den Kinos, werden für ausgewählte Filme auch Streamingtickets angeboten.