Filmfest
#FFHH20
24.09. - 03.10.2020
Hamburg
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Festival im Festival
01.10.2020

Am 2. und 3. Oktober ist die 17. dokumentarfilmwoche hamburg zu Gast bei FILMFEST HAMBURG. Ein Gespräch mit den Macher*innen des Festivals, das eigentlich im April stattfinden sollte.

FILMFEST HAMBURG: Euer Programmheft kam frisch aus der Druckerei, als ihr erfahren habt, dass die 17. dokumentarfilmwoche hamburg nicht stattfinden kann. Wie seid ihr bei der Programmauswahl für das Gastspiel bei FILMFEST HAMBURG vorgegangen? Beleuchtet ihr einen thematischen Aspekt oder ist das Programm ein Extrakt eures »großen« Programms?

DOKUMENTARFILMWOCHE HAMBURG: Bei der Auswahl der Filme haben wir zunächst geschaut, welche Filmemacher*innen die Möglichkeit hätten, anzureisen - zu dem damaligen Zeitpunkt jedenfalls. Da uns das Sprechen über Filme sehr wichtig ist, war dies eines der ersten Kriterien. Dann haben wir auch Wert darauf gelegt, einen tollen Querschnitt der Filme zu finden, deren Themen uns wichtig sind. Die Filme stellen auf verschiedene Weisen die drängenden Fragen unserer Zeit: Nach dem Recht auf Zugang und Teilhabe ebenso wie nach der Notwendigkeit, dem eigenen In-der-Welt-Sein einen Sinn abzuringen. Die Perspektiven der hier vertretenen Filmemacher*innen auf die Realität sind ebenso vielfältig wie die vorgefundenen Problem- und Fragestellungen. Es gibt viel zu sehen. Es gibt viel zu reden. Darüber hinaus ist auch ein Kriterium, dass von den 13 formal und inhaltlich anspruchsvollen Produktionen die meisten auch erstmalig in Hamburg gezeigt werden. Insofern ist die Auswahl zwar kein Extrakt des großen Programms, beleuchtet aber viele der Themen, die die dokumentarfilmwoche hamburg auszeichnen.

FF: Was sind die filmischen Highlights und werden die Filmemacher*innen ihre Filme persönlich vorstellen?

DH: Alle 13 Filme sind sehr besonders. Der vielfach ausgezeichnete Film Zustand und Gelände von Ute Adamczewski, begibt sich auf Spurensuche nach »wilden Konzentrationslagern«, die zur Ausschaltung politischer Gegner*innen eingerichtet wurden und heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Der Film erzählt nicht nur von Orten, die früh im Nationalsozialismus zum Teil der faschistischen Infrastruktur wurden, sondern die später – nach dem Zweiten Weltkrieg, nach dem Ende der DDR, in der gesamtdeutschen Gegenwart der NSU – umkämpfte Räume einer Deutungshoheit von Geschichte und Legitimation politischer Linien wurden. Die dokumentarfilmwoche hamburg zeigt den Film zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober um 17.00 Uhr mit Ute Adamczewski als Gast und ergänzt das Programm am Sonntag, den 4. Oktober mit einem begleiteten Rundgang durch Hamburg St. Pauli zu vergleichbaren Orten. Wir erwarten außerdem die Filmemacher*innen Kate Tessa Lee (Piqueuses), Marwa Arsanios (Who Is Afraid of Ideology), Amel Alzakout (Purple Sea), Karsten Krause (At the Bottom of the Sea), Guillaume Cailleau (Enthusiasmus -Donbass-Sinfonie) und Eric Baudelaire (Un film dramatique).

FF: Welche Filme sind aus Hamburg mit dabei, und gibt es noch andere Programmpunkte?

DH: Als einziges, ausschließlich auf Dokumentarfilme spezialisiertes Festival der Region, fühlt sich das 12-köpfige Kollektiv der dokumentarfilmwoche hamburg der örtlichen Filmlandschaft verpflichtet. Wir zeigen zwei Hamburger Produktionen: Steffen Goldkamps Kurzfilm Nach zwei Stunden waren zehn Minuten vergangen bringt uns das Leben in der JVA auf der Elbinsel Hahnöfersand nahe und At the Bottom of the Sea geht im südlichen Texas der Natur auf den Grund. Menschen durchqueren die Region, um in die USA migrieren zu können. Sie hinterlassen Habseligkeiten – und bleiben manchmal selbst zurück. Die Filmemacher Steffen Goldkamp und Karsten Krause sind zur Vorführung am 3.10. um 11.30 Uhr zu Gast.

Am Freitag um 11.00 Uhr stellt Volker Pantenburg sein Buch Gerhard Friedl. Ein Arbeitsbuch vor. Der 2009 verstorbene österreichische Filmemacher hat ein ebenso schmales wie einzigartiges Werk hinterlassen. Wir zeigen seinen Dokumentarfilm Knittelfeld – Stadt ohne Geschichte.