Filmfest
#FFHH20
24.9. - 3.10.2020
Hamburg

Team-Tipp #16
04.10.2019

05.10.2019 um 20:00 Uhr im Metropolis: MARTIN EDEN

Jendrik Walendy aus der Presseabteilung von FILMFEST HAMBURG:

Pietro Marcello hatte als Regisseur schon in seinem vorherigen Film Bella e perduta die Mythologie und Geschichte Italiens mit der politischen Gegenwart in einen produktiven Austausch gebracht, dessen Sinn sich mehr über die Sinnlichkeit als in einer Eindeutigkeit vermittelte. Bei Martin Eden verschränkt er durch subtile Weise die Zeitebenen, das Dekor lässt auf das frühe 20. Jahrhundert, die 30er, 50er oder 70er Jahre schließen und der Verlauf der Zeit ist nie Gewiss. Dies führt nie zu einer Unklarheit der Geschichte oder der Themen, aber verweist auf die Allgemeingültigkeit der Figuren und ihrer Handlungen. Marcello legt den Kern dieser Geschichte frei und zeigt die Funktionsweisen der europäischen Kultur und Klassengesellschaft. Damit lässt er Erinnerungen an die großen Vorbilder des italienischen Kinos wach werden, die Themen und Ästhetiken von Bertolucci und Pasolini wiederauferstehen und aktualisiert sie zugleich.

Hauptdarsteller Luca Marinelli gewann in Venedig den Preis als bester Darsteller und verkörpert die anfängliche Selbstgewissheit des Arbeiters, die Neugier des Lernens wie auch den Verfall im Überfluss auf eine unmittelbare, greifbare und doch nie anbiedernde Art.

Unter loser Bezugnahme auf Jack Londons gleichnahmigen Roman, gedreht auf Filmmaterial, das dem Film eine unnachahmliche Lebendigkeit verleiht und Verwendung von historischem MAterial aus verschiedenen Filmarchiven, ist der Film nicht so sehr die Liebesgeschichte, als vielmehr eine Reflexion über Liebe, Klasse, das 20. Jahrhundert und die Rolle des Kinos darin.