Filmfest
#FFHH19
26.9. - 5.10.2019
Hamburg

Erste Filme
30.07.2019

Außergewöhnliche Frauen, tödliche Substanzen und Voodoo-Zauber, chinesische Berge und isländischer Nebel: FILMFEST HAMBURG zeigt Filme aus Hamburg und fast allen Ecken der Welt, bringt Mythen und Geschichte mit der Gegenwart zusammen. Nach Stationen unter anderem in Cannes, Venedig und Toronto feiern diese Filme in Hamburg ihre Deutschlandpremieren.

Die Hamburger Regisseurin Katrin Gebbe, deren Debütfilm Tore tanzt 2013 in Cannes lief, präsentiert ihren neuen Film Pelikanblut, nach Stationen in Venedig und Toronto, bei FILMFEST HAMBURG. Nina Hoss spielt eine alleinerziehende Pferdetrainerin, die ein kleines Mädchen aus Bulgarien adoptiert. Sie bemerkt schnell, dass es dem Mädchen schwer fällt, Bindungen einzugehen und sich an Regeln zu halten. Es kommt zu Spannungen zwischen Mutter, Adoptivtochter und ihrem Umfeld. Pelikanblut, produziert von der Hamburger Juna Film, ist für den mit 25.000 Euro dotierten Hamburger Produzentenpreis »Deutsche Kinoproduktion« nominiert und läuft in der 2018 eingeführten Sektion Große Freiheit.

In Darkroom - Tödliche Tropfen rollt Rosa von Praunheim den wahren Fall eines Serientäters auf und erzählt ihn mit der ihm eigenen Handschrift neu. Es ist die Geschichte von zwei Männern, die gemeinsam nach Berlin ziehen. Sie sind glücklich, doch dann beginnt einer der beiden, mit gefährlichen Substanzen zu experimentieren. Der Film läuft ebenfalls in der Sektion Große Freiheit.

Ken Loach ist vielleicht der wichtigste filmische Chronist der Arbeiterklasse in den letzten 50 Jahren. Der Regisseur ist mit seinem Cannes-Wettbewerbsfilm Sorry We Missed You in Hamburg zu Gast. Erzählt wird die Geschichte eines Paketboten, der sich selbstständig macht, aber an den Strukturen der modernen Arbeitswelt, wie an der eigenen Selbstausbeutung fast zerbricht. Bei FILMFEST HAMBURG läuft Sorry We Missed You in der Sektion Kaleidoskop, der Reihe für Filme aus aller Welt.

Auch die folgenden drei Kinofilme sind in der Sektion Kaleidoskop zu sehen:
Eine Coming-of-age Geschichte in der schottischen Techno-Szene der Neunziger Jahre: Weit entfernt davon, in Nostalgie zu versinken, zeichnet Beats ein zwischen Komik und Zukunftsängsten changierendes Bild einer Gesellschaft, die von Klassenkampf und sozialen Ungleichheiten geprägt ist. Der von Steven Soderbergh produzierte Film zeigt dabei aber auch die Möglichkeiten einer besseren, freieren Welt auf, die durch die Musik verkörpert wird. Regisseur Brian Welsh hat zuvor unter anderem an der Netflix-Serie Black Mirror gearbeitet.

Ella Fitzgerald: Just One of Those Things montiert Archivmaterial und Interviews mit Künstlern wie Tony Bennett und Jamie Cullum, um die außergewöhnliche Lebensgeschichte der US-amerikanischen »First Lady of Song« nachzuzeichnen. Regisseur Leslie Woodhead zeigt dabei die ikonischen Momente von Fitzgeralds langer Karriere, aber auch weniger bekannte Aspekte, wie ihre Auseinandersetzung mit dem alltäglichen Rassismus in Amerika, mit dem die Sängerin Zeitlebens zu kämpfen hatte.

An »weißen Tagen«, wenn die schneebedeckte Erde mit dem Himmel verschmilzt, treffen sich nach isländischem Aberglauben die Lebenden mit den Toten. Heller Heller Tag ist ein packendes Drama um einen Mann, der die Trauer um seine Frau bis zur Obsession steigert. Bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes lief der Film von Regisseur Hlynur Pálmason (Winter Brothers) in der Sektion »Semaine de la Critique«. Heller Heller Tag ist einer von drei isländischen Spielfilmen, die in diesem Jahr in Hamburg gezeigt werden.

Aus der »Quinzaine des Réalisateurs« in Cannes kommt Zombi Child nach Hamburg. Der neue Film des französischen Regisseurs Bertrand Bonello (Nocturama, Haus der Sünde) vermischt französische Geschichte mit haitianischem Mythos. Bonello erzählt von einem prestigeträchtigen Mädcheninternat im Paris der Gegenwart und parallel die Geschichte eines Mannes, der im Jahr 1962 durch Voodoo-Magie zu einem Sklaven gemacht wird. Als die Mädchen von dieser Geschichte erfahren, wollen sie die schwarze Magie für ihre eigenen Zwecke nutzen. Zu sehen in der Sektion Voilà!

Bombay Rose wird in Venedig die »Settimana Internazionale della Critica« eröffnen. Der Animationsfilm der indischen Regisseurin Gitanjali Rao skizziert drei Geschichten von unmöglicher Liebe: Von einem Mann und einer vergebenen Frau, zwischen zwei Frauen und die Liebe einer ganzen Stadt zu ihren Bollywood-Stars. Der aufwendig von Hand gezeichnete Animationsfilm läuft in Hamburg in der Sektion Asia Express.

Dwelling in the Fuchun Mountains war der diesjährige Abschlussfilm der »Semaine de la Critique« und ist der erste Teil einer geplanten Trilogie des jungen Regisseurs Gu Xiaogang. Der Film läuft bei FILMFEST HAMBURG ebenfalls in der Sektion Asia Express und porträtiert das Leben von drei Generationen einer chinesischen Familie durch vier bewegte Jahreszeiten.

In der Sektion Transatlantik wird die Lebensgeschichte von Ruth Westheimer gezeigt. Ask Dr. Ruth begleitet die mittlerweile 91-jährige Sexualtherapeutin und Holocaust-Überlebende, die als Radiomoderatorin angefangen, später mehrere Fernsehshows moderiert und über 30 Bücher veröffentlicht hat. Westheimer erinnert sich an ihre Kindheit in Deutschland und die Flucht in die Schweiz, das Aufwachsen in Israel und ihren Durchbruch mit der Radioshow »Sexually Speaking«, mit der sie Tabus brach und das konservative Amerika aufrüttelte.

In Hamburg sterben reihenweise Menschen an einer seltsamen Krankheit, die Behörden sind ratlos und errichten Quarantänezonen. Auf der Flucht versucht sich eine kleine Gruppe von Menschen (u.a. Helmut Griem, Ulrich Wildgruber, Fernando Arrabal und Carline Seiser) durch das in Chaos versetzte Deutschland nach Süden durchzuschlagen. Peter Fleischmanns surrealer Science-Fiction Film Die Hamburger Krankheit, der 1979 beim Hamburger »Filmfest der Filmemacher« seine Premiere feierte, erfährt in der Sektion Hamburger Filmschau seine Wiederaufführung in restaurierter Fassung anlässlich des 40. Jubiläums.

Das komplette Filmprogramm wird am 10. September 2019 bekannt gegeben.

FILMFEST HAMBURG findet vom 26. September bis 5. Oktober 2019 statt. Gezeigt werden 130 Produktionen aus aller Welt als Europa-, Deutschland- oder Hamburg-Premieren. Festivalkinos sind das Abaton, CinemaxX Dammtor, Metropolis, Passage und das Studio-Kino.