Filmfest
#FFHH19
26.9. - 5.10.2019
Hamburg

Kunst bleibt
07.08.2018

In vielen Ländern ist kulturelle Zensur immer noch bitterer Alltag. Filme entstehen dennoch. FILMFEST HAMBURG zeigt mit Leto von Kirill Serebrennikov und Drei Gesichter von Jafar Panahi zwei Werke von Filmemachern, die trotz politischer Repression den Mut haben, in ihren Arbeiten die Einflussnahme auf das Leben und das künstlerische Schaffen selbst zum Thema zu machen.

Kirill Serebrennikov gerät wegen seiner offenen Kritik an der russischen Regierung immer wieder in Konflikt mit den Behörden. Seit 22. August 2017 steht er unter Hausarrest. Vom Filmemachen abbringen kann ihn dies nicht: Regie zu Leto führte er über Skype. »Leto« heißt »Sommer« und fühlt sich an wie Traumurlaub mit wundervollem Soundtrack. Auf bestechend charmante und unbeschwerte Weise nimmt der Film die Zuschauer mit in den Musik-Underground von Leningrad zu Beginn der 1980er Jahre, in eine Welt, in der die unbändige Leidenschaft für Rock und Pop im Lebensmittelpunkt steht, in der der Schwarzmarkt um Platten von David Bowie und T-Rex boomt, in der Künstler aber auch immer wieder Kompromisse mit den Behörden eingehen müssen, um weiter Konzerte spielen zu dürfen und trotzdem das Schicksal des Rock’n‘ Roll in der Sowjetunion für immer verändern. Festivalleiter Albert Wiederspiel: »Es ist bemerkenswert, welch einen unbeschwerten und liebevollen Film Kirill Serebrennikov in so einer schwierigen Situation geschaffen hat.«
Serebrennikov ist auch musikalisch in der Hansestadt präsent: seine Operninszenierung von Verdis Nabucco wird im März 2019 an der Hamburger Oper Premiere feiern. 

Jafar Panahi gilt als einer der wichtigsten unabhängigen Filmemacher des Iran, der sich immer wieder kritisch mit Politik und Gesellschaft seiner Heimat auseinandersetzt. 2010 wurde er zu einem 20-jährigen Berufsverbot verurteilt, die meisten seiner Filme sind in seiner Heimat verboten. Auch Panahi lässt sich vom Filmemachen nicht abhalten: seit seinem Berufsverbot entstanden This Is Not A Film, Closed Curtain, Taxi Teheran und jetzt Drei Gesichter. »Panahi beweist seit Jahren, dass man ihm nichts verbieten kann, er geht äußerst kreativ mit seiner Situation um und nutzt das Berufsverbot nur als Herausforderung, um noch bessere Filme zu machen«, so Wiederspiel. In Drei Gesichter erzählt er von drei iranischen Schauspielerinnen in unterschiedlichen Karrierephasen und den Schwierigkeiten, die sie haben, ihren Beruf auszuüben. Panahi gelingt ein eindrückliches feministisches Fanal und eine liebevolle Hommage an die Künstlerinnen. Drei Gesichter wurde in Cannes für das Beste Drehbuch ausgezeichnet.

Beide Filme feiern ihre Deutschlandpremiere bei FILMFEST HAMBURG und laufen in der Sektion Kaleidoskop.


Das gesamte Filmprogramm wird am 11. September 2018 bekannt gegeben.