Filmfest
#FFHH18
27.9. - 6.10.2018
Hamburg

Preise & Bilanz
07.10.2018

Im Rahmen der feierlichen Abschlussveranstaltung sind am Abend vor dem Abschlussfilm Loro von Paolo Sorrentino im CinemaxX Dammtor die Preise des 26. FILMFEST HAMBURG vergeben worden. Festivalleiter Albert Wiederspiel freut sich über einen leichten Besucherzuwachs, trotz Herbstferien, und über den großen Erfolg des 16. MICHEL Kinder und Jugend Filmfest.

»Wir können mit rund 43.000 Besuchern erneut an das sehr gute Vorjahresergebnis anknüpfen und einen leichten Besucherzuwachs verzeichnen. Trotz oder gerade wegen Herbstferien und Feiertag hatte das Hamburger Publikum Lust auf Kino, auf Filme aus aller Welt, auf Diskussionen und Austausch«, sagt Festivalleiter Albert Wiederspiel. Besonders gerührt habe das Publikum die Verleihung des Douglas Sirk Preises an den iranischen Regisseur Jafar Panahi, dessen Tochter den Preis entgegennahm. »Ein Festivalmoment, den es vielleicht nur einmal gibt und den man nie vergessen wird.« Besonders erfreulich sei die Auslastung beim diesjährigen MICHEL Kinder- und Jugend Filmfest von rund 70 Prozent. Das zeitlich vorgelagerte Binnenalster Filmfest in Kooperation mit dem City Management Hamburg und mit dem Verein Lebendiger Jungfernstieg e.V. unter freiem Himmel, verzeichnete in diesem Jahr insgesamt über 10.000 Besucher an vier Abenden.


Preisträger

Der Preis der Filmkritik, der erstmal in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen Filmkritik vergeben wird, geht an Unsere Kämpfe von Guillaume Senez.

Auszug aus der Jurybegründung »Auf eindringliche wie berührende und zugleich unsentimentale Weise erzählt der belgische Regisseur Guillaume Senez von der alltäglichen Angst vor dem gesellschaftlichen Absturz. Virtuos verzahnt er die beruflichen und die familiären Kampfzonen. Auf unterschiedlichen Ebenen ist jeder Einzelne existenziell überfordert – und wird dabei in all seinen menschlichen Widersprüchen mit liebevoller Genauigkeit ernst genommen. Ein Film, der mitten ins Herz und in den Magen des bedrängten Mittelstandes in Europa zielt.«

Die Jury spricht außerdem eine Lobende Erwähnung für israelischen Film Geula von Joseph Madmony und Boaz Yehonatan Yacov aus.

Jury: Frank Arnold, epd Film, Tip-magazin; Jens Büchsenmann, NDR 90,3; Karin Franzke, Hamburger Abendblatt; Holger Römers, StadtRevue, WDR; Parvin Sadigh, Zeit Online; Britta Schmeis, SPIEGEL ONLINE; Anke Sterneborg, Süddeutsche Zeitung, rbb Kulturradio

Der mit 5.000 Euro dotierte Art Cinema Award des Internationalen Verbands der Filmkunsttheater (C.I.C.A.E.) geht an den Film Gegen den Strom von Benedikt Erlingsson (Verleih: Pandora Film Verleih).

Jurybegründung: »Die 50-jährige Halla engagiert sich liebevoll für ihren Chor. Im Verborgenen führt sie entschlossen Anschläge auf die Stromversorgung durch, um eine wirtschaftliche Ausbeutung ihres Landes zu verhindern. Ihr überraschend positiv beschiedener Adoptionsantrag und die verschärften Überwachungsmaßnahmen zwingen sie nun zu raschem und noch rigoroserem Handeln. Die kraftvolle Darstellung der Halla, das Drehbuch mit seinem geschickten Einsatz von Symbolen und ein eigenwilliger Soundtrack, der nicht nur akustisch sondern auch visuell bereichert, haben uns überzeugt.«

Jury: Helene Christanell, Filmclub Bozen; Jörg Jacob, Provinz 80 Programmkino Kaiserslautern; Inge Mauerer-Klesel, Kinos Gloria und Gloriette, Heidelberg

Der mit 5.000 Euro dotierte NDR-Nachwuchspreis für Langfilmdebüts oder zweite Regiearbeiten geht in diesem Jahr an die Regisseurin Andréa Bescond und den Regisseur Eric Métayer für ihren Film Little Tickles.

Jurybegründung: »Die Geschichte einer Frau, die die traumatischen Erlebnisse ihrer Misshandlungen als 8-jähriges Mädchen im Tanz verarbeitet, um endlich wieder Herrin über ihren eigenen Körper zu werden, hat uns auf ganzer Ebene überzeugt. Die Annäherung an ein schwieriges Thema durch die besondere kreative Machart sowie die emotionale Wucht, hat uns nicht mehr losgelassen und macht diesen Film für uns zu einem ganz außergewöhnlichen, großen cineastischen Werk. Eine kraftvolle Story mit außergewöhnlicher Regie, die Mut beweist und es schafft, uns auf eine tragikomische Reise mitzunehmen, ohne ins Kitschige abzurutschen.«

Jury: Sven Halfar, Autor und Regisseur; Jonas Katzenstein, Produzent; Dr. Ingrid Nümann-Seidewinkel, Juristin und ehemalige Finanzsenatorin der Freien und Hansestadt Hamburg

Der mit 5.000 Euro dotierte Preis Der Politische Film der Friedrich-Ebert-Stiftung geht an die Regisseurin Alexandria Bombach für ihren Film On Her Shoulders.

Auszug aus der Jurybegründung: »Wir möchten heute einen Film über eine junge Frau auszeichnen…, die gegen das Vergessen anrennt, anredet, Podien besteigt und daran fast zerbricht. Nadia Murad ist 23 Jahre alt. Sie ist irakische Jesidin und hat den Genozid des so genannten Islamischen Staats an ihrer Volksgruppe überlebt. Sie war Geisel und Sexsklavin. Sie hat Unvorstellbares erlebt – und überlebt. Sie konnte aus der Gefangenschaft fliehen und ist heute eine der wichtigsten Stimmen, die der Welt vom Schicksal der Jesidinnen und Jesiden berichten kann. Der Film von Alexandria Bombach begleitet Nadia Murad um die Welt. Er zeigt ihren Kampf um Aufmerksamkeit und Gerechtigkeit. Und dieser Film wagt etwas: Er konzentriert sich nicht auf das Grauen, das Nadia erlebt hat. Er rückt die müden Augen einer jungen Frau in den Vordergrund, die ihr Erlebtes fast jeden Tag erzählen muss.«

Jury: Timo Hempel, Lektor und Mitglied im AK Medien und Digitales, SPD Hamburg; Eva Hubert, ehemalige Geschäftsführerin der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein; Christian von Brockhausen, Regisseur, Journalist & Videojournalist

Der mit 10.000 Euro dotierte Sichtwechsel Filmpreis, gestiftet vom Auswärtigen Amt, geht an den Regisseur Philippe Faucon für seinen Film Amin.

Auszug aus der Jurybegründung: »Der Film erzählt sich ausschließlich aus der Sicht Amins, eines Zeitarbeiters aus dem Senegal, der wie seine nordafrikanischen Kollegen in Frankreich auf privaten Baustellen arbeitet, um mit dem verdienten Geld seine Familie in der Heimat zu unterstützen.
Mit einem außergewöhnlich komplexen Drehbuch schildert der Film, in dennoch einfacher und nahezu lakonischer Weise die Geschichte seiner Protagonisten.
Die Sicht auf die Figuren ist keine sich bekennende oder emotionalisierende, sondern schafft in relativ klassischer Weise eine Erzählung, deren Dimension weit über die sehr persönliche Geschichte seiner Hauptfiguren hinausgeht. In einer Zeit, in der Diversität und Gleichberechtigung immer noch Anlass zu Diskussion geben, schafft der Film eine absolute Gleichberechtigung in seiner Schilderung und dem Nicht-Bewerten der unterschiedlich Welten Afrika und Europa.«

Die Jury spricht außerdem noch eine Lobende Erwähnung für den Film M von Yolande Zauberman aus.

Jury: Ersan Mondtag, Theaterregisseur; Marie-Lou Sellem, Schauspielerin; Irene von Alberti, Produzentin

Der mit 5.000 Euro dotierte Commerzbank-Publikumspreis im Rahmen der Sektion »Eurovisuell« geht an Solsidan von Felix Herngren, Måns Herngren.

Der mit 5.000 Euro dotierte MICHEL Filmpreis, vergeben von der Hamburgischen Kulturstiftung und der Ian und Barbara Karan Stiftung, geht an Supa Modo von Likarion Wainaina.

Auszug aus der Jurybegründung: »Obwohl der Film ein ernstes Thema hat, war er herzerwärmend und gefühlvoll umgesetzt. Die Geschichte hatte tolle Charaktere, die von den Schauspielern mit Liebe und Hingabe zum Leben erweckt wurden. Ganz besonders wollen wir die kleine Hauptdarstellerin loben, die ihre Rolle mit Gefühl und Leidenschaft verkörpert hat. Dieser bunte Mix aus Komödie, Drama und Superheldenfilm hat das Publikum und uns zu Tränen gerührt, ein Lächeln auf unsere Lippen gezaubert und gleichzeitig eine wichtige Botschaft herübergebracht.«

Bereits am 03.10.2018 sind die Hamburger Produzentenpreise »Deutsche Kinoproduktion« und »Europäische Kino-Koproduktion« an die Produzenten Jamila Wenske und Sol Bondy/One Two Films, Berlin (Das schönste Paar, Regie: Sven Taddicken) und den Produzenten Michael Eckelt/Riva Film, Hamburg (Sibel, Regie: Çağla Zencirci und Guillaume Giovanetti) vergeben worden. Die Preisgelder in Höhe von jeweils 25.000 Euro für diese Kategorien werden von der Behörde für Kultur und Medien zur Verfügung gestellt. Der Hamburger Produzentenpreis »Deutsche Fernsehproduktion« in Höhe von ebenfalls 25.000 Euro, gestiftet von der Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten (VFF), geht an Heike Wiehle-Timm/Relevant Film, Hamburg (Aufbruch in die Freiheit, Regie: Isabel Kleefeld), eine lobende Erwähnung wurde für den Film Gloria, die schönste Kuh meiner Schwester (Produktion: Jens C. Susa/Provobis Gesellschaft für Film und Fernsehen; Regie: Ingo Rasper) ausgesprochen.

Mit dem Douglas Sirk Preis wurde am Donnerstag der iranische Regisseur Jafar Panahi ausgezeichnet, seine Tochter Solmaz Panahi nahm den Preis in Hamburg für ihren Vater entgegen.

Das 27. FILMFEST HAMBURG findet vom 26. September bis 5. Oktober 2019 statt.