Filmfest
#FFHH19
26.9. - 5.10.2019
Hamburg

Sichtwechsel Filmpreis

Mit dem Sichtwechsel Filmpreis, gestiftet vom Auswärtigen Amt, zeichnet FILMFEST HAMBURG ab 2017 erstmals Regisseur*innen aus, die über nationale und kulturelle Grenzen hinweg in anderen Ländern arbeiten und Filme realisieren. Berücksichtigt werden dabei sowohl Filmemacher*innen, die ihr Heimatland unfreiwillig verlassen mussten, als auch Filmschaffende, die aus künstlerischen oder privaten Gründen Filme außerhalb ihrer Heimat realisieren und eine neue Sicht als Bereicherung für ihre künstlerische Arbeit empfinden. Sektionsübergreifend werden insgesamt bis zu zwölf Filme aus dem Programm nominiert. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird von einer internationalen Jury vergeben.

Preisträger 2018

Amin

Regie: Philippe Faucon

Die Begründung der Jury:

»Mit dem Film Amin gelingt es dem europäischen Filmemacher Philippe Faucon und seinem Team diese Perspektivenverschiebung besonders konsequent umzusetzen. Der Film erzählt sich ausschließlich aus der Sicht Amins, eines Zeitarbeiters aus dem Senegal, der wie seine nordafrikanischen Kollegen in Frankreich auf privaten Baustellen arbeitet, um mit dem verdienten Geld seine Familie in der Heimat zu unterstützen. Mit einem außergewöhnlich komplexen Drehbuch schildert der Film, in dennoch einfacher und nahezu lakonischer Weise die Geschichte seiner Protagonisten. Die Sicht auf die Figuren ist keine sich bekennende oder emotionalisierende, sondern schafft in relativ klassischer Weise eine Erzählung, deren Dimension weit über die sehr persönliche Geschichte seiner Hauptfiguren hinausgeht. In einer Zeit, in der Diversität und Gleichberechtigung immer noch Anlass zu Diskussion geben, schafft der Film eine absolute Gleichberechtigung in seiner Schilderung und dem Nicht-Bewerten der unterschiedlichen Welten Afrika und Europa.«


Lobende Erwähnung:

M

Regie: Yolande Zauberman

»'To liberate memories, to liberate the capacity of speaking'. Yolande Zaubermann gelingt ein maximal packender, verstörender, bewegender Dokumentarfilm, der die Grenzen der Authentizität sprengt. Auf verschiedenen Ebenen sichtet die Regisseurin eine uns komplett verschlossen Welt. Als europäische, jüdische Französin begibt sie sich in eine israelische Parallelgesellschaft, die auch innerhalb der israelischen Gemeinschaft eine schwer zugängliche Welt darstellt. Diese Welt, die nur Männern offen steht, betritt sie als Frau mit einer formal unverwechselbaren Betrachtungsart, mit einer schamlosen, dringlichen Penetranz, dass dem Rezipienten stellenweise der Atem fehlt, das Gesehene zu verarbeiten. Sie löst eine Kette von Konversationen, eine Explosion von Emotionen vor der Kamera aus und befreit Erinnerung aus dem Kerker der menschlichen Verdrängungsmaschine. Das Ganze in einem zutiefst zugewandten, liebenden Blick für ihre Protagonisten. Das ist großes Kino in seiner ungewöhnlichsten, in seiner eigenartigsten Form. Und das Ganze zu einem Zweck. 'To liberate memories, to liberate the capacity to speak'.«
  
 
Bisherige Preisträgerin 

2017: The Future Perfect Regie: Nele Wohlatz