Filmfest
#FFHH19
26.9. - 5.10.2019
Hamburg

Der Politische Film der Friedrich-Ebert-Stiftung

Die Friedrich-Ebert-Stiftung zeichnet seit 2013 gesellschaftlich engagiertes Kino aus. Dokumentar- und Spielfilme in der Sektion Veto! konkurrieren um das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro. Prämiert wird die beste Regiearbeit.


Preisträger 2018

On Her Shoulders 

Regie: Alexandria Bombach

Die Begründung der Jury:

»Wie machen wir das Unsichtbare sichtbar? – In zerstörten Ländern, in brüchigen Gesellschaften, in verwüsteten Seelen? Kriege erzählen, Menschen wiederfinden, die vergessen werden sollen. Damit das, was passiert ist, nicht im Rückspiegel der Geschichte verschwindet: Das bedarf Ausdauer. Eine Kamera. Und Mut. Gegen das Vergessen andrehen: Das war wie ein Auftrag, eine Mission, der internationalen Filmemacherinnen und Filmemachern in unserer Sektion 'Veto!'
Wir haben Spielfilme gesehen, die diesen Auftrag sehr ernst genommen haben. Jedes Frame, jedes Archivbild, jeder Mensch war ihnen wichtig, um Geschichten zu erzählen, die drohen im Halbdunkel zu verschwinden. Wir möchten heute einen Film über eine junge Frau auszeichnen, der genau das tut. Er handelt von einer Frau, die gegen das Vergessen anrennt, anredet, Podien besteigt und daran fast zerbricht. Nadia Murad ist 23 Jahre alt. Sie ist irakische Jesidin und hat den Genozid des so genannten 'Islamischen Staats' an ihrer Volksgruppe überlebt. Sie war Geisel und Sexsklavin. Sie hat Unvorstellbares erlebt – und überlebt. Sie konnte aus der Gefangenschaft fliehen und ist heute eine der wichtigsten Stimmen, die der Welt vom Schicksal der Jesidinnen und Jesiden berichten kann. Der Film von Alexandria Bombach begleitet Nadia Murad um die Welt. Er zeigt ihren Kampf um Aufmerksamkeit und Gerechtigkeit. Und dieser Film wagt etwas: Er konzentriert sich nicht auf das Grauen, das Nadia erlebt hat. Er rückt die müden Augen einer jungen Frau in den Vordergrund, die ihr Erlebtes fast jeden Tag erzählen muss. 'Wir brauchen nicht mehr Worte, wir brauchen endlich Taten', sagt sie einmal vor den Vereinten Nationen. Der Applaus ist ihr sicher, es folgen Worte, Worte und wieder Worte. Und dann bleibt die Kamera bei ihr, wenn das Licht ausgeht, wenn die Leere zurückkehrt. Das ist der Preis derjenigen, die das Unsichtbare sichtbar machen wollen. Alles auf Nadias Schultern. On her shoulders.«

 

Bisherige Preisträger*innen