Filmfest
#FFHH20
24.9. - 3.10.2020
Hamburg

Der Politische Film der Friedrich-Ebert-Stiftung

Die Friedrich-Ebert-Stiftung zeichnet seit 2013 gesellschaftlich engagiertes Kino aus. Dokumentar- und Spielfilme in der Sektion Veto! konkurrieren um das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro. Prämiert wird die beste Regiearbeit.

Preisträger 2019:
Bewegungen eines nahen Berges Regie: Sebastian Brameshuber

Auszug aus der Jurybegründung: »Es ist ein Film, der in den Bann zieht, der ganz einfach glücklich macht. Seine Themen sind die großen unserer Zeit: Globalisierung, Kapitalismus, Migration, Rohstoff-Ausbeutung und Wiederverwertung. Regisseur Sebastian Brameshuber aber konzentriert sich auf einen Protagonisten und einige wenige Andere, er erzählt ein kleine, kraftvolle Geschichte, die voll überraschender Wendungen ist. Mit großem Respekt nähert er sich seinen Figuren, ohne sie auszustellen und lässt so Raum für Imagination. Im Zentrum steht ein Mann aus Nigeria. Er lebt und arbeitet in der Steiermark auf einem Schrottplatz am Fuß eines Erzbergwerks. Eine große, unwirtliche Halle am Rande eines Industriegebiets voller Autowracks und Reifenbergen ist sein Zuhause. Hier gibt es eine provisorische Kochstelle und am nahen Fluss frisches Wasser, um die Wäsche zu waschen. Hier verkauft er alte Autos oder zerlegt sie in ihre Einzelteile, hier handelt er mit Reifen, Zylinderköpfen und Sicherungen. Wertstoffe, die er bewahrt, auch für den Markt in Nigeria. Das Ausweiden der Autowracks geschieht in souveräner Gelassenheit. Mit tausendfach eingeübten Handgriffen gleicht es einem poetischen Akt, trotz aller notwendiger Gewalt. Die Verkaufsverhandlungen am Ort mit Schrotthändlern aus Ungarn oder Rumänien scheinen nie zu einem Abschluss zu kommen, die Kamera beobachtet sie diskret, wiederum voller Achtung, als handele es sich um ein Ritual aus vergangenen Zeiten. Gleiches gilt für die Verhandlungen auf einem Markt in Afrika. Der nigerianische Schrotthändler aus der Steiermark blickt auf die Umstehenden und sagt: „Wenn ihr alle auch kaufen würdet, wäre ich längst wieder zurück in meiner Heimat.“ Wo diese ist, bleibt offen. Wie gesagt, ein Film der glücklich macht.«

Jury:
Barbara Duden, Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft
Catarina Felixmüller, Journalistin
Helena Wittmann, Regisseurin

Bisherige Preisträger*innen