Filmfest
#FFHH17
5.10. - 14.10.2017
Hamburg

Tages-Tipp #6
11.10.2017

Unsere Kollegin Barbara vom Protokoll erklärt heute, warum es sich unbedingt lohnt, »Wajib« von Annemarie Jacir anzuschauen.

Wajib ist ein warmherziger und grossartiger Film über alle grossen Themen des Lebens, die hier im familiären Umfeld verhandelt werden. Es geht um Nähe und Distanz, gehen oder bleiben, Loyalitäten, Selbstbestimmung und Kompromisse. Vater und Sohn sind sich schon sehr fremd, als sie sich gemeinsam ins Auto setzen, um die  gedruckten Hochzeitseinladungen von Tochter und Schwester persönlich an die Gäste auszutragen. Beide bemühen sich darum, wenigstens die ausgesprochenen Differenzen möglichst klein zu halten, um die anstehenden Vorbereitungen und die Feier zu überstehen, aber nach jeder übergebenen Einladung wird offensichtlicher, wo die so unterschiedlichen Lebensauffassungen der Beiden herrühren und wie schwer sie zu überbrücken sind. Dass der Film in Nazareth spielt und natürlich auch der palästinensisch-israelische Konflikt eine Rolle spielt, ist zwar nicht nebensächlich, aber hier nicht das Hauptthema. Die beiden Protagonisten sind im Leben wie im Film Vater und Sohn, glaubwürdiger geht es kaum!