Filmfest
#FFHH17
5.10. - 14.10.2017
Hamburg

Sichtwechsel
26.09.2017

Mit dem neuen Sichtwechsel Filmpreis, gestiftet vom Auswärtigen Amt, möchte FILMFEST HAMBURG in diesem Jahr erstmals Regisseur*innen auszeichnen, die über nationale und kulturelle Grenzen hinweg in anderen Ländern arbeiten und Filme realisieren.

»Die Idee ist, diesen mit 10.000 Euro dotierten Preis an Regisseur*innen zu vergeben, die woanders Filme drehen, als dort, wo ihre Herkunftswurzeln liegen. Das passt gut zu meiner eigenen Biografie: Ich bin in Polen geboren, in Dänemark aufgewachsen, habe in Paris gelebt und bin nun seit vielen Jahren in Hamburg. Ich bin selbst so ein Sichtwechsler«, sagt Festivalleiter Albert Wiederspiel.

Der Blick von außen eröffnet neue Perspektiven: In The Future Perfect erzählt die deutsche Regisseurin Nele Wohlatz, die in Buenos Aires lebt, von der chinesischen Community dort, die die Einheimischen in Argentinien vielleicht so gar nicht wahrnehmen. Lukasz Lakomy und Veronika Glasunowa, er ist Pole, sie Russin, leben in Deutschland und haben in der Ukraine ihren Film Langes Echo gedreht, eine Dokumentation über das Leben an der Peripherie des Konfliktherdes. Der Franzose Louis Meunier hat sich in Kabul und seine Bewohner verliebt und erzählt in Kabullywood von vier jungen Leuten, die in Kabul ein Kino aufbauen wollen. In dem beim Filmfestival in Cannes gefeierten und prämierten Film The Rider erzählt die gebürtige Chinesin Chloé Zhaos von einem Rodeo Reiter in South Dakota, der das Rodeo aufgeben und seine Identität neu definieren muss. Der Film befasst sich dem American Heartland, stellt den American Dream auf den Kopf und hinterfragt und interpretiert ihn neu. In The Killing of a Sacred Deer inszeniert der griechische Regisseur Yorgos Lanthimos in bester Manier einer griechischen Tragödie ein Spiel um Schuld, Sühne, Schicksal, die Welt und die Götter als wahnsinnige Abwärtsspirale in die tiefsten Abgründe menschlichen Seins.

Albert Wiederspiel »Wir sind bei der Programmierung auf viele spannende Konstellationen dieser Art gestoßen. Das ist ein positiver Nebeneffekt der Globalisierung. Die Welt ist kleiner geworden, das Reisen leichter und auch das Filmequipment. So können interessante Sichtwechsel auf die Perspektive des Gegenübers entstehen«.

Folgende Filme sind für den Sichtwechsel-Filmpreis nominiert:

The Future Perfect Nele Wohlatz
Kabullywood Louis Meunier
The Killing of a Sacred Deer Yorgos Lanthimos
Langes Echo Lukasz Lakomy, Veronika Glasunowa
Makala Emmanuel Gras
The Rider Chloé Zhao
Die Singenden Vögel von Kigali Joanna Kos-Krausze, Krzysztof Krauze
Soldaten. Geschichten aus Ferentari Ivana Mladenovic
Three Billboards outside Ebbing, Missouri Martin McDonagh
Voll Verschleiert Sou Abadi
Worst Case, we get married Léa Pool