Filmfest
#FFHH17
5.10. - 14.10.2017
Hamburg

Starke Frauen
21.08.2017

Auch in diesem Jahr präsentiert FILMFEST HAMBURG eine Vielzahl an Filmen von Frauen und stellt die ersten fünf Produktionen von herausragenden Regisseurinnen und einen Film eines Regiepaares sowie eine Veranstaltung aus dem Rahmenprogramm in Kooperation mit WIFT (Women in Film and Television) zum Thema Chancengleichheit beim Film vor.
 
Chloé Zhao zeigte bereits ihr Regiedebüt Songs My Brothers Taught Me 2015 bei FILMFEST HAMBURG. Dieses Jahr bereichert die gebürtige Chinesin und Wahlnewyorkerin das Programm mit The Rider, der bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes mit dem Art Cinema Award ausgezeichnet wurde. Zhao entführt darin den Zuschauer auf eine melancholische Reise ins amerikanische Heartland und erzählt sehr bewegend und mit großer Sensibilität von einem einst gefeierten Rodeo-Star, der nach einer schweren Kopfverletzung auf der Suche nach einer neuen Identität ist.
 
Mit ihrem zweiten Spielfilm What Will People Say öffnet die norwegische Regisseurin Iram Haq den Blick hinter die Kulissen einer pakistanischen Familie in Norwegen. Die 16-jährige Nisha ist zuhause perfekte Tochter und draußen normaler Teenager. Bis sie von ihrem Vater mit ihrem Freund erwischt und nach Pakistan geschickt wird, um dort bei ihren Verwandten die Kultur ihrer Eltern zu adaptieren. Ein intensiver Film über die Lebensumstände junger Frauen in patriarchalen Gesellschaften.
 
In ihrem Spielfilm Licht erzählt die österreichische Regisseurin Barbara Albert (Die LebendenNordrandBöse Zellen) eine Parabel über die Macht der Musik zur Zeit Mozarts in Wien. Aufwendig inszeniert und mit großem Einfühlungsvermögen beschreibt das Historiendrama die schicksalhafte Geschichte des Wunderheilers Franz Anton Mesmer (Devid Striesow) und seiner berühmtesten Patientin Maria Theresia Paradis (Maria Dragus), eine 18-jährige, früh erblindete Pianistin, die mit Schrecken bemerkt, dass sie mit zunehmender Sehkraft ihre musikalische Virtuosität verliert.
 
Der brasilianische Dokumentarfilm Baronesa von Juliana Antunes handelt vom Alltag zweier Frauen in den Favelas der brasilianischen Millionenmetropole Belo Horizonte. Ihre Gespräche öffnen einen weiblichen Blick auf ein von männlicher Gewalt dominiertes Milieu, das trotz aller Härte eine raue Schönheit besitzt. Männer spielen nur eine Nebenrolle, auch die Filmcrew bestand fast ausschließlich aus Frauen.
 
Lola Randl erzählt in Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?mit Charme und Witz von den Überforderungen des Lebens. Luisa (Lina Beckmann) verdoppelt sich über Nacht und spaltet sich in die alte Luisa und die neue Anne auf. Äußerlich sehen die beiden identisch aus, sonst sind sie grundverschieden. Doch Luisa erkennt bald die Möglichkeiten ihres zweiten Ichs: Endlich kann sie mit ihrem Lover Leopold (Benno Fürmann) durchbrennen, während Anne sich um ihren Mann Richard (Charlie Hübner) kümmert. Eine herrlich skurrile Verwechslungskomödie in knallbunten Farben.
 
Dem Thema Gleichberechtigung widmen sich Valerie Faris und Jonathan Dayton. Das Ehepaar begeisterte 2006 mit ihrem Regiedebüt Little Miss Sunshine, der bei FILMFEST HAMBURG als Abschlussfilm gezeigt wurde. Jetzt präsentieren sie mit Battle of The Sexes – Gegen jede Regel ihren zweiten gemeinsamen Spielfilm. Im Zuge der sexuellen Revolution und dem Aufschwung der Frauenbewegung wird 1973 in den USA der Schaukampf zwischen der weltweiten Nr. 1 des Frauentennis, Billie Jean King (Emma Stone), und dem Ex-Tennis Champion Bobby Riggs (Steve Carell) als »Battle Of The Sexes« angekündigt und mit 90 Millionen Zuschauern weltweit zum meist gesehenen Sportevent der Fernsehgeschichte. Doch neben der Vorbereitung auf das Match haben die beiden Kontrahenten ihre persönlichen Kämpfe auszutragen. Riggs kämpft mit seiner Spielsucht und King setzt sich für Gleichberechtigung und eine selbstbestimmte Sexualität ein.
 
Im Rahmen von FILMFEST HAMBURG lädt das Branchennetzwerk WIFT (Women in Film and Television) am 13.10., 16-17:30 im Festival Zelt zur Panel-Diskussion Wie erreichen wir mehr Chancengleichheit für Frauen im Film und TV? ein. Dass Frauen im deutschen Filmen deutlich unterrepräsentiert sind, ist längst bekannt. Laut neuester Studie des Deutschen Kulturrats zeigt sich die finanzielle Benachteiligung von Frauen in Kultur und Medien in einem gravierenden Verdienstabstand von etwa 24 Prozent zwischen Frauen und Männern in der Künstlersozialversicherung. Vor der Kamera werden Frauen meistens im Zusammenhang von Beziehung und Partnerschaft gezeigt, heißt es in einer aktuellen Untersuchung der Universität Rostock, in Zusammenarbeit mit ARD, ZDF, RTL und ProSiebenSat.1. Über Strategien, politische Verantwortung und Möglichkeiten von Förderinstitutionen, um weiblichen Filmschaffenden gleiche Chancen einzuräumen, diskutieren Maria Köpf (Geschäftsführerin Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein), Jana Schiedek (Staatsrätin für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg), Anna Serner (CEO Swedish Film Institute) und Monique Simard (CEO Sodec, Canada). Die Moderation übernimmt Katja Eichinger.
 
 
 
FILMFEST HAMBURG findet vom 5. bis 14. Oktober 2017 statt. Gezeigt werden über 120 Produktionen aus aller Welt als Europa-, Deutschland- oder Hamburg-Premieren in den Sektionen Freihafen (Europäische Kino-Koproduktionen), Hamburger Filmschau (Aktuelles Hamburger Filmschaffen), Transatlantik (Englischsprachiges Kino aus den USA und Kanada), Veto! (Politisches Kino), Voilà! (Französischsprachiges Kino), Vitrina (Spanisch-portugiesischsprachiges Kino), Asia Express (Filmkultur Asiens), Eurovisuell (Europäische Publikumserfolge), 16:9 (Fernsehen im Kino) und Kaleidoskop (Filme aus aller Welt). Festivalkinos sind das Abaton, CinemaxX Dammtor, Metropolis, Passage und das Studio-Kino.